Mehrphasenausbildung für Führerschein kommt 2003

29. November 2001, 12:27
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Punkteführerschein nicht geplant, aber in Diskussion

Wien - Trauriger Spitzenreiter in der EU ist Österreich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit bei getöteten Pkw-Insassen im Alter von 18 bis 20 Jahren. Im vergangenen Jahr starben allein 42 18-Jährige und 38 19-Jährige auf der Straße, das waren zusammen acht Prozent aller Verkehrstoten des Jahres 2000. Nach dem Führerschein auf Probe soll daher ab 1. Jänner 2003 auch fix die so genannte Mehrphasenausbildung kommen.

"Feedbackfahrten"

Im ersten Jahr sollen die Führerscheinneulinge dabei verpflichtend zwei "Feedbackfahrten" mit dem Fahrlehrer und ein Fahrtechniktraining samt psychologischer Schulung belegen. Durch diese Maßnahme soll nach Schätzung des Kuratoriums die Zahl der Verkehrstoten jährlich um 20 bis 30 zurückgehen.

Mehr Schulung für Motorradfahrer Mehr Schulung wird es auch für Motorradfahrer geben. Sie bekommen nicht nur die Mehrphasenausbildung verordnet, sondern erhalten bereits ab 1. Jänner 2002 auch mehr Praxisstunden in der Grundschulung.

Schärfer begegnen will Verkehrsministerin Monika Forstinger (F) auch alkoholisierten Lenkern. Bei Unfällen mit Personenschaden wird es künftig für alle beteiligten Lenker Alkohol-Checks geben. Und auch gegen Drogen am Steuer wolle sie nach gescheitertem ersten Anlauf "noch einmal einen Vorstoß wagen", sagte die Ministerin am Mittwochabend vor Journalisten.

Bau von Straßen

Aber auch bei sich selbst und bei den Ländern will das Ministerium ansetzen und dabei künftig bereits beim Bau von Straßen auf die Verkehrssicherheit achten. Allein bei Straßen, die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren angelegt worden seien, müssten Unfallhäufungspunkte, die sich auf Grund baulicher Fehlplanung ergeben haben, nun um 400 Mill. S (29,1 Mill. Euro) korrigiert werden. Bei künftigen Projekten soll es daher nun ein "Safety Audit" geben: soll heißen, dass, wann immer eine Straße gebaut wird, ein Sicherheitsexperte des Ministeriums oder des Landes dabei sein wird.

Geschnürt wurde das neue Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Verkehrssicherheit gemeinsam mit dem Kuratorium, den Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ, dem Innenministerium und den Ländern. Die heißen Eisen der Vergangenheit - etwa den viel diskutierten Punkteführerschein - hat man dabei allerdings aus dem Startpaket draußen gelassen, um mit den Maßnahmen auch die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Strittige Themen wie dieses seien im ersten Schritt zwar nicht geplant, stünden aber weiter zur Diskussion, sagte Forstinger. (APA)

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