ÖBB entsorgen den Müll vom Nordbahnhof

29. November 2001, 21:19
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Grüne befürchten dennoch Rest- und Altlasten im Boden

Wien - Eigentlich müsste Rüdiger Maresch zufrieden sein. Denn auch wenn es lange gedauert hat, hat es nun doch geklappt: Am Donnerstag teilten die ÖBB voll Stolz mit, die illegalen Mülldeponien auf dem Nordbahnhofgelände beseitigt zu haben. In fünf Wochen habe man das 400.000 m² große Gelände "besenrein" bekommen. Statt der veranschlagten 1,6 Millionen Schilling (116.000 EURO) habe die Reinigungsaktion 2,8 Millionen Schilling (204.000 EURO) gekostet: Man sei auf kontaminiertes Material gestoßen.

Begehung der letzten großen Gstätten

Grünen-Gemeinderat Rüdiger Maresch könnte zufrieden sein: Immerhin war er es, der im Juni bei einer Begehung der letzten großen Gstätten mit dem STANDARD ankündigte, die ÖBB wegen der Nichtverhinderung der hier üblichen Müllentsorgung anzuzeigen. Das hat er im Juli auch getan.

Aber Maresch ist undankbar. "Es ist prinzipiell positiv, dass etwas passiert. Aber dass der Boden wirklich sauber ist, bezweifle ich: Da sind über Jahrzehnte Lacke und Kühlschrankgifte versickert." Vor allem fordert er Maßnahmen seitens der ÖBB, neue Müllablagerungen zu verhindern: Die schon im Frühjahr errichteten Schranken sowie Videoüberwachungsanlagen und Bestreifungen waren ineffizient: Sogar während Mareschs sommerlicher Begehung wurde "frischer" Müll ungehindert abgelagert.

Geld für Planung

Auch auf einer ganz anderen Ebene kommen die Dinge am Nordbahnhof langsam in Bewegung. Am Mittwoch genehmigte der Gemeinderatsausschuss für Stadtentwicklung 9,6 Millionen Schilling (700.000 EURO) für Planungsarbeiten für die nächste Entwicklungsphase des Nordbahnhofes. Auf dem Areal sind seit Jahrzehnten Wohnungen, Schulen, Parks und Büros geplant. Bisher wurde davon aber lediglich die "erste Reihe", die Bauten zur Lassallestraße hin, realisiert. Nun sollen Wettbewerbe und Bürgerbeteiligungsverfahren beginnen. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Print-Ausgabe 30.11.2001)

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