Sieger des 1 %-Spiels

30. November 2001, 14:14
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Florian Holzer sprach mit Süßwein-Guru Alois Kracher über Markt und Meditation

Alois Kracher aus Illmitz ist eine Ausnahmeerscheinung: Kann man bei Rot- und Weißwein den besten Erzeuger auf der ganzen Welt nur schwerlich nennen, so steht der Spitzenplatz des Burgenländers in Sachen Süßwein einigermaßen außer Zweifel, wie Bewertungen in- und ausländischer Kapazitäten stets belegen.

DER STANDARD: Herr Kracher, wie geht's einem, wenn man der beste Süßweinmacher der Welt ist?

Alois Kracher: Ich möchte die Frage anders beantworten: Ich bin sozusagen Teil der 85er-Generation. Es war 1985, als sich die Weine in Bordeaux veränderten, das Piemont plötzlich am Markt erschien. Die toskanischen Tafelweine, Kalifornien kam auf, in Australien hat's angefangen. Vorher hat's die Berichterstattung nicht gegeben, die Restaurants, keiner hat einen Weinkeller gehabt. Süßwein ist ein Teil dieser neuen Weingeneration, eine Nische, aber eine Nische mit viel Platz. Der Wein ist einfach zum Teil der modernen Gesellschaft geworden.

Süßwein aber nicht so stark wie andere Weine?

Süßwein ist ein Teil des Spiels, das Ein-Prozent-Spiel. Unauffällig zwar, aber wahnsinnig wichtig um zu komplettieren. Das ist auf der ganzen Welt so.

In Österreich auch? Es scheint ja so, als ob hierzulande zwar göttliche Essenzen gedeihen, aber niemand trinkt sie?

Der Inlandsmarkt ist ein geschützter Markt für mich: Zuerst bekommen alle Partner in Österreich das, was sie brauchen, dann kommt das Ausland dran. In guten Jahren mit großer Menge, so wie 1998, gehen ungefähr 80% ins Ausland. In Norditalien, in der Schweiz oder an Ost- und Westküste bin ich höchstwahrscheinlich populärer als in Österreich, aber das ist eh klar. Hier gibt's ja auch sehr viele Alternativen.

Wenn amerikanische Weinbewertungs-Institutionen Ihre Süßweine bejubeln, steigt dann eigentlich auch die Akzeptanz im Inland?

Die Österreicher sind dann natürlich schon auch stolz. Ich bin ja schließlich auch ein stolzer Österreicher, und die Weine sind nur deshalb so, weil sie eben von hier sind. Kracher ist Österreich, Kracher ist Burgenland, das ist die Message.

Wo ist der Platz des Süßweins heute?

Am Samstag, wenn die Zeitungen dick sind, der Stress nachlässt, mit Freunden, zum Meditieren, wenn man was Gutes trinken will, aber doch keinen Wein. Zur Zigarre, zur Zigarette, zum Entspanntsein - dort ist mein Markt.

derStandard/rondo/30/11/01

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