Schlechte Konjunkturdaten für die USA

29. November 2001, 17:51
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Anstieg bei Auftragseingängen relativiert

Washington/New York - Trotz des überraschend starken Anstiegs der Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA im Oktober ist die US-Wirtschaft nach Einschätzung von Volkswirten nach wie vor stark angeschlagen. Auch der unerwartete Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe spreche dagegen, dass die schon in der Rezession steckende US-Wirtschaft das Schlimmste hinter sich habe. Die Aufträge seien vor allem wegen großer Flugzeug- und Rüstungsaufträge gestiegen, teilte das Handelsministerium am Donnerstag mit. Der Anstieg relativiere sich außerdem angesichts des starken Rückgangs im September. An den Finanzmärkten wurden die Daten als Zeichen für die Schwäche der US-Wirtschaft aufgenommen. Der Dollar gab vorübergehend nach, US-Staatsanleihen legten kräftig zu.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestiegen

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erhöhte sich nach Angaben des US-Arbeitsministeriums in der Woche zum 24. November um 54.000 auf 488.000 und lag damit deutlich höher als der von Volkswirten erwartete Anstieg auf nur 448.000 Anträge. Das Ministerium wies darauf hin, dass die Zahlen üblicherweise in dieser Jahreszeit wegen mehrerer Feiertage schwankten. Mit 4,02 Millionen erreichte die Zahl der verlängerten Anträge auf Unterstützung in der Vorwoche den höchsten Stand seit Ende Dezember 1982, als es 3,82 Millionen Arbeitslose waren.

In den vergangenen vier Wochen waren die Erstanträge rückläufig gewesen, was an den Finanzmärkten Hoffnung auf eine baldige Konjunkturerholung geweckt hatte. "Der Markt hatte geglaubt, wir hätten das Schlimmste hinter uns und betrachtet dies jetzt als Rückfall in die schwache Verfassung vor den Anschlägen am 11. September", sagte Mark Vitner von Wachovia Securities. Alan Ruskin von 4Cast hält es vor allem für bedenklich, dass die Zahl der erneuerten Anträge in den vergangenen Wochen gestiegen ist. "Die Leute werden noch immer entlassen und finden keine neue Stelle. Selbst wenn die Kündigungen abnehmen, gibt es noch keinen Aufschwung bei Neueinstellungen."

Zuwachs bei Flugzeugaufträgen und Verteidigungsgütern

Die Aufträge legten im Oktober erstmals seit Mai dieses Jahres zu, nach einem Rückgang von revidiert 9,2 Prozent im September. Der Zuwachs bei Flugzeugaufträgen schoss um 233,2 Prozent in die Höhe, bei Verteidigungsgütern um 206,3 Prozent. Mit 12,8 Prozent lag die Gesamtzuwachsrate rund sechs mal so hoch wie von Volkswirten mit 2,1 Prozent angenommen. Aber auch ohne Rüstungsgüter erhöhten sich die Auftragseingänge kräftig um 5,6 Prozent nach minus 10 Prozent im Vormonat. Volkswirte sprachen von einer "gewissen Stärke", die man hier herauslesen könne. Man müsse aber den starken Anstieg vor dem Hintergrund des Einbruchs im September sehen, sagte Ruskin. Beide Monate zusammengenommen, seien die Auftragseingänge leicht gesunken. (APA/Reuters)

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