Grete von Zieritz 102-jährig verstorben

28. November 2001, 22:49
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Österreichische Komponistin mit zahlreichen Auszeichnungen

Wien/Berlin - Die in Wien geborene Komponistin Grete von Zieritz ist am Mittwoch in Berlin, wo sie seit 1917 lebte, im 102. Lebensjahr verstorben, teilte ihr Sekretär mit. Im Laufe ihres Lebens schuf Grete von Zieritz mehr als 120 Lieder und Gesänge mit Klavier und anderen Instrumenten sowie Gesänge mit Orchester, Kammermusik- und Orchesterwerke, Instrumentalwerke und Chormusik.

Anläßlich ihres 100. Geburtstages fand die Uraufführung der Orchesterfassung ihres Werkes "Le violon de la mort" in Würzburg statt. Wegen Augenproblemen war ihr zuletzt das Komponieren nicht mehr möglich.

Grete von Zieritz wurde am 10. März 1899 als Tochter eines Offiziers der Habsburger-Monarchie in Wien geboren. 1912 begann sie ihr Musikstudium am Grazer Konservatorium, 1917 legte sie die "künstlerische Reifeprüfung" in Komposition ab. In selben Jahr übersiedelte sie auch nach Berlin, wo sie ihr Klavierstudium fortsetzte. Von 1926 bis 1931 studierte sie zudem Komposition an der Berliner Hochschule für Musik bei Franz Schreker.

Sieben Jahre nach der Uraufführung ihrer "Japanischen Lieder" für Sopran und Klavier in Berlin erhielt von Zieritz 1928 den Mendelssohn-Staatspreis für Komposition und das Schubert-Stipendium der Columbia Phonograph Company in New York. 1939 war sie als einzige Frau unter Komponisten aus 18 Nationen beim "Internationalen Musikfest" in Frankfurt/Main vertreten.

1958 wurde die Komponistin vom damaligen österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf zum "Professor" ernannt. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen und Orden, Aufführungen in den großen Konzertsälen blieben ihr jedoch jahrzehntelang vorenthalten. Um als Pianistin in Konzerten oder bei Rundfunkaufnahmen engagiert zu werden, komponierte sie viele Werke für Soloinstrumente mit anspruchsvollem Klavierpart.

In den dreißiger Jahren reiste sie im Duo mit dem Flötisten Hans Frenz, in den fünfziger Jahren mit dem Geiger Bernhard Lessmann. Daneben unterrichtete sie Klavier, korrepetierte Liederabende und begleitete während des Zweiten Weltkrieges Ausdruckstänzerinnen auf Tourneen. 1966 nahm die Komponistin zusätzlich zur österreichischen die deutsche Staatsbürgerschaft an.

1978 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse. Im Oktober 1999 wurde sie mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet. (APA)

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