18 Millionen Kinder verarmen im Osten Europas

29. November 2001, 13:37
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Ernüchternder UNICEF-Report über den Status Quo in den ehemaligen sozialistischen Staaten

Wien/Genf - Kinderarmut ist laut einem neuen UNICEF-Report in Ost- und Zentraleuropa und der ehemaligen Sowjetunion weit verbreitet. Etwa 18 Millionen Kinder und Jugendliche in dieser Region leben in Armut, und immer mehr enden in Anstalten oder werden zur Adoption freigegeben.

Der Report

Der neue UNICEF-Osteuropa-Report, herausgegeben vom Forschungszentrum der Organisation in Florenz, setzt sich mit dem Lebensstandard der über 400 Millionen Menschen auseinander, die in den 27 Ländern Ost- und Zentraleuropas und der ehemaligen Sowjetunion leben. Der Bericht untersucht Kinderarmut, Gesundheit, Bildung, demographische Veränderungen und die Situation von Kindern in staatlicher Obhut. Die Untersuchung ergab große Unterschiede in diesen 27 Ländern.

"Dank eines Jahrzehnts voller Aktivitäten sind in vielen Ländern die Kindersterblichkeitsraten gesunken. Aber Millionen Kinder leiden weiterhin an Armut, Krankheit und Ausgrenzung", erklärte UNICEF-Direktorin Carol Bellamy fest.

Armut in den Familien

Der UNICEF-Osteuropa-Report betonte, dass sich während des vergangenen Jahrzehnts die Anzahl jener Kinder, die in armen Familien leben, stark erhöht hat. Ende der neunziger Jahre lebten etwa 18 Millionen Kinder im Alter bis 17 Jahre von weniger als umgerechnet 34 Schilling pro Tag - ein von der Weltbank festgelegter Maßstab für Armut. Dies seien etwa 17 Prozent der Bevölkerung in dieser Altersgruppe.

Die Mehrheit dieser Kinder - 16 Millionen - leben in der Region der ehemaligen Sowjetunion, weitere zwei Millionen in Zentral- und Osteuropa, darunter die Baltischen Staaten und die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. In Moldau, Armenien, Kirgisistan und Tadschikistan lebt der Großteil der Kinder in Armut.

Gesundheitliche Folgen

Der UNICEF-Report weist weiters auf den unterschiedlichen Gesundheitszustand der armen und der reichen Bevölkerung hin. Laut der Organisation wird diese Kluft ständig größer. In der Ukraine, in Russland und in Armenien ist eines von sieben Kindern mangelernährt, in Albanien, Usbekistan und Tadschikistan eines von drei Kindern.

In einigen Teilen der Region stellt der Report alarmierende Zahlen hinsichtlich Schulabbruch und Klassenwiederholungen fest. 1989 besuchten zwei Drittel der 15- bis 18-Jährigen in Zentralasien höhere Schulen, 1998 war es weniger als die Hälfte. In Zentraleuropa hingegen erhöhte sich die Zahl der Jugendlichen, die höhere Schulen besuchen. In den Baltischen Ländern, im ehemaligen Jugoslawien und in Zentraleuropa erhöhte sich auch die Zahl der Kinder, die eine Vorschule besuchen. Außer in Armenien, Turkmenistan und Usbekistan gehen immer mehr Jugendliche auf eine Universität.

Der UNICEF-Report forderte, dass Kinderarmut in den Mittelpunkt von nationalen politischen Debatten gerückt werden muss. Vor allem in den südlichen Ländern kritisierte der Bericht sehr geringe öffentliche Investitionen im Bildungsbereich. UNICEF forderte darüber hinaus von den Staaten verstärkte Konzentration auf den Sektor Gesundheit ein.(APA)

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