Advokat des Zuhörens

28. November 2001, 20:23
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Jazz-Impresario Norman Granz starb 83-jährig in Genf

Genf - Es ging natürlich ums Geschäft, das hat Norman Granz eigentlich nie bestritten. Aber da war doch noch ein "bisschen" mehr. Den Jazz aus den Clubs rausholen, aus verrauchten Tanzpalästen. Mit quasi philharmonischem Flair versehen, sollte der Jazz als eine Kunstform präsentiert werden, die vollste Aufmerksamkeit verdient. Denn Count Basie war so gut wie Leonard Bernstein, sagte Granz.

Das war in den 40er-Jahren in Amerika keine Selbstverständlichkeit, der zornig-arrogante Bebop begann erst langsam, den freundlich-hitzigen Swing abzulösen. Mit der Konzertreihe Jazz at the Philharmonic hatte Granz, der Philosophiestudent, der selbst nie ein Instrument anrührte, denn auch zweifellos eine kleine musiksoziologische Revolution bewirkt.

Es war damals in Amerika indes auch eine Zeit, da man Ella Fitzgerald ob ihrer Hautfarbe das Einsteigen in ein Taxi verwehrte. Als Granz seine Konzertreihe gründete, legte er bei Verträgen jedoch Wert auf eine Klausel, wonach "seine" Musiker dort nicht spielen mussten, wo das Publikum in schlechter alter Rassismustradition hautfarblich getrennt wurde.

Die Jazzreisen

Durch seine Vertragsforderungen verlor Granz viel Geld, JATP wurde dennoch ein Erfolg. Das Prinzip: Granz stellte All-Star-Formationen zusammen, die jammend auf ausgiebige Tourneen geschickt wurden. Solche Reisen konnten bis zu sieben Wochen dauern, wobei die Tourneen mit zunehmendem Erfolg global angelegt wurden, bis Granz 1957, müde geworden, das Projekt begrub.

Da gab es aber auch das Label Verve. Von Granz gegründet (1955) und nun im Riesenkonzern Universal als Edelmarke weiterlebend, vermitteln seine Aufnahmen einen großen Teil der Mainstream-Geschichte: Ella Fitzgerald nahm für Verve ihre Songbook-Reihe auf, die sich Komponisten wie George Gershwin und Cole Porter widmete. Und auch Oscar Peterson verdankt seinen Ruf als Inbegriff des Jazzpianisten dem Label und also Freund Norman.

Norman Granz, 1918 in Los Angeles geboren, starb, wie jetzt erst bekannt wurde, vergangene Woche am Donnerstag 83-jährig in Genf, wo er seit 1959 gelebt hatte.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 11. 2001)

 Von
  Ljubisa Tosic


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