Die teure "Entstaubung"

28. November 2001, 19:43
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Das Konzerthaus zieht Sanierungsbilanz

Wien - "Fünfzig Firmen sind noch dabei, kleinere Mängel zu beheben", berichtet Konzerthaus-Chef Christoph Lieben-Seutter. Aber überstanden ist es, die Generalsanierung des Wiener Konzerthauses ist nach drei Jahren und vier Arbeitsetappen nun abgeschlossen. Als finales sichtbares Zeichen dieses Umstands ist der renovierte Mozartsaal zu betrachten.

Was ist verändert worden? Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen die Erneuerung der gesamten technischen Infrastruktur des Hauses, weiters der Einbau einer neuen Klimaanlage (mit Kühlung vom benachbarten Eislaufverein) sowie die Erschließung neuer Flächen für Publikum und Künstler. Zahlreiche neue Lifte, eine neue Bühnen-, Licht- und Tontechnik, die neu gestaltete Konzerthauskassa sowie eine computergesteuerte Hausleittechnik bereichern die Infrastruktur.

Zudem wurde die Akustik des Großen Saals deutlich verbessert. Und mit dem Neuen Saal hat das Konzerthaus eine weitere Konzertstätte dazubekommen. Ebenfalls neu ist maestro, das Restaurant im Wiener Konzerthaus, in dem der Wiener Bürgermeister Michael Häupl schon recht oft gesehen worden sein soll.

Weniger erfreulich allerdings die finanzielle Seite der Generalsanierung: Die Gesamtkosten des Projektes haben mit voraussichtlich 560 Millionen Schilling die ursprünglichen Prognosen um fast 50 Prozent überschritten. Neben der geplanten Bedeckung der Projektkosten durch Subventionen der Stadt Wien (190 Millionen) und des Bundes (160 Millionen) sowie durch Spenden und Eigenmittel war das Konzerthaus gezwungen, zur Finanzierung des Projektes einen Hypothekarkredit über 180 Millionen aufzunehmen.

Hoffen auf Hilfe

Über die Ursachen der Mehrkosten wird ein Bericht des Kontrollamtes Auskunft erteilen. Konzerthaus-Chef Lieben-Seutter berichtet auch von intensiven Rechtsanwaltsgesprächen mit Firmen zur gütlichen Einigung und Prozessvermeidung ... Trotz der durch die Sanierung verbesserten Eigenwirtschaftlichkeit und des niedrigen Zinsniveaus hofft das Konzerthaus jedoch auf eine Entlastung durch öffentliche und private Geldgeber (eine Fundraising-Kampagne erbrachte eine Summe von rund 35 Millionen Schilling).

Denn die Finanzprobleme könnten die zukünftige Konzertprogrammierung in Mitleidenschaft ziehen. Dieser Tage erscheint auch ein Bildband (Löcker-Verlag) zum Generalsanierungsprojekt mit über 200 Farbbildern, Plänen und Skizzen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 11. 2001)

 Von
 Ljubisa
 Tosic


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