Ericsson zwischen "Ächzen und Stöhnen"

28. November 2001, 19:39
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Umsatzeinbußen durch späten UMTS-Start

Stockholm - "Die Branche ächzt und stöhnt", sagt Peter Klein, Pressesprecher von Ericsson. Wachstumsraten von 40 Prozent wie 2000 sind passé. Die Telekomunternehmen seien dabei, Bilanzen in Ordnung zu bringen, aber auch den Technologiesprung von GSM auf 3G vorzubereiten. 40 Netzwerke auf GPRS-Basis (General Packet Radio Service, eine Beschleunigung für das vorhandene GSM-Netz und zugleich Übergang auf UMTS) seien heuer bereits gestartet worden. Ericsson war bei 23 Netzen Technologielieferant.

Später als erwartet hätten die Betreiber ihre GSM-Netze mit GPRS nachgerüstet, das eine schnellere Datenübertragung ermöglicht. Mit einer Entschärfung der Krise rechnet Klein bis Mitte 2002. Nervosität und Unsicherheit gebe es derzeit bei den Netzwerkausrüstern, die durch die Verzögerungen beim Ausbau von UMTS Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, so ein Ericsson-Mitarbeiter. Die Schweden seien dabei besonders betroffen, weil sie für rund 40 Netzbetreiber UMTS-Technologie liefern.

Darum hat sich Ericsson ein rigides Kostensenkungsprogramm verordnet, unrentable Geschäftsbereiche wie Homeprodukte für Video oder Internet via TV abgestoßen oder zugesperrt. Die Handyproduktion wurde an Flextronics ausgegliedert, die Belegschaft binnen zweier Jahre von 107.000 auf 83.000 Mitarbeiter abgebaut. 20 Mrd. Kronen (29,2 Mrd. S/2,12 Mrd. Euro) will Ericsson 2002 einsparen, um im schrumpfenden Mobilfunkmarkt (minus zehn Prozent) profitabel zu sein. "Wir sind kurzfristig vom Kurs Richtung Kunden abgekommen", räumt Klein Fehler ein.

Dennoch wollen die Schweden über Sony Ericsson weiterhin eine bedeutende Rolle als Handyhersteller spielen, auch wenn Analysten darin "gerne eine Ausstiegsstrategie sehen". (jake, Der Standard, Printausgabe, 29.11.01)

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