Edelweißalm: Flut von Einsprüchen

28. November 2001, 18:51
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Anrainer im Franziskanerviertel sehen ihre Befürchtungen bestätigt

Wien - "Die Begehung war ein Witz." Bei Regen und an einem Sonntag seien Vertreter der Feuerwehr angerückt. Sie hätten geschaut, ob im Falle eines Brandes ihre Einsatzwagen in die enge Blumenstockgasse einfahren könnten. Das Urteil: Ja, sie können.

Das bringt die Mitglieder der Bürgerinitiative "Franziskanerviertel", die das Lokal "Edelweißalm" in ihrem Grätzl verhindern wollen, in Rage. "Wenn Feuer ausbricht, kann da keiner rein", ereifert sich eine Anrainerin. Und prompt wurde der Rechtsanwalt der Bürgerinitiative beauftragt, Einspruch im Genehmigungsverfahren für das Erlebnislokal der Brau Union einzubringen. "Die Feuerwehr muss jetzt eine ergänzende Stellungnahme beibringen", bestätigt Anwalt Michael Pilz den nächsten Verfahrensschritt.

Eine wahre Flut von Eingaben im Gewerbeverfahren wurde deponiert: wegen der Verkehrssituation und ob die Blumenstockgasse für tonnenschwere Lkw geeignet sei; ob das Lärmgutachten korrekt sei; ob die Lüftungsanlagen ausreichen.

Eröffnung nicht vor 2002

Erster Erfolg der Bürgerinitiative: Die Bauverhandlung konnte wegen der vielen Eingaben nicht abgeschlossen werden. Selbst in der Brau Union rechnet man, das Lokal erst im Frühjahr 2002 eröffnen zu können.

Die Brau Union profitiert davon, dass bei der Umwidmung zur Nutzung des Gebäudes Blumenstockgasse 5 im Gewerbeverfahren nicht unterschieden wird, zu welchem Zweck der Bau genützt wird. Ruhiges Schreibbüro oder Schunkellokal - das ist egal, solange alle Auflagen erfüllt werden. Die Brau Union muss nachweisen, dass dies zutrifft, dann kann es kein amtliches Nein geben.

Strukturelle Änderung des Viertels

Unterdessen errichtet eine Planungsgesellschaft weiterhin im Auftrag der Brau Union das Bierlokal. Parallel entsteht ein weiteres Lokal an derselben Adresse. Eine Gasse weiter entsteht ein Partylokal. Womit sich eine Befürchtung der Anrainer schneller bewahrheiten könnte als befürchtet. "Ist erst einmal der Anfang gemacht, wird eine strukturelle Änderung des Viertels passieren", glaubt Anwohner Norbert Abel. Er verlangt von der Politik "konkrete Vorstellungen" dazu, wie die Gegend künftig gestaltet sein solle.

Der Lostag für diese politische Entscheidung, ob man Unterhaltungslokale solcher Art im Bezirk haben möchte, ist am 12. Dezember. An diesem Tag tagt der Bauausschuss des Bezirks. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2001)

Andrea Waldbrunner
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