US-Unterhändler bei Arafat und im besetzten Westjordanland

28. November 2001, 18:12
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Palästinenserführung verlangt erneut Aufhebung der Sieben-Tage-Frist

Ramallah/Jerusalem - Mit Gesprächen bei Palästinenserpräsident Yasser Arafat und einer Fahrt durch Teile des Westjordanlandes haben die US-Gesandten Anthony Zinni und William Burns am Mittwoch ihre Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten fortgesetzt. Nach dem traditionellen Abendessen, mit dem Moslems im Monat Ramadan das Fasten unterbrechen, waren politische Gespräche mit Arafat vorgesehen. Arafat hatte zuvor die jüngsten palästinensischen Anschläge, bei denen am Dienstag drei Israelis getötet und mehr als 50 verletzt worden waren, scharf verurteilt. In Ramallah trafen die US-Gesandten außerdem palästinensische Experten, die Material über den israelischen Siedlungsausbau und Landkonfiskation sowie Freizügigkeitsbeschränkungen vorlegten.

Nach Angaben einer Sprecherin der US-Botschaft besichtigten die beiden Vermittler während ihrer Fahrt im Westjordanland auch jüdische Siedlungen, die im Mittelpunkt des Konfliktes stehen. Während die beiden Unterhändler ihre Bemühungen um eine Waffenruhe in der Region fortsetzten, schlug im Gazastreifen erneut eine palästinensische Kleinrakete im Bereich einer jüdischen Siedlung ein, richtete jedoch keinen Schaden an. Im Westjordanland nahmen israelische Kommandos neun Palästinenser fest, die sie des Terrorismus beschuldigen.

Palästinenser fordern Aufhebung der Sieben-Tage-Frist

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon war am Dienstag gemeinsam mit Zinni und Burns in einem Hubschrauber über das Westjordanland geflogen, um ihnen die strategische Lage Israels zu erläutern. Nach Presseberichten vom Mittwoch forderte Burns Sharon auf, die Ausweitung jüdischer Siedlungen in den Palästinensergebieten zu beenden. Zinni betonte, seine Bemühungen um eine Waffenruhe in der Region seien zeitlich nicht begrenzt.

Die Palästinenserführung verlangte am Mittwoch erneut von Israel, die Forderung Sharons nach sieben Tagen absoluter Ruhe in den Palästinensergebieten als Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen aufzugeben. Parlamentspräsident Ahmed Kurei warf Sharon vor, er wolle mit dieser Vorbedingung die US-Bemühungen um eine Waffenruhe torpedieren. Der israelische Armeesender zitierte Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser mit den Worten, Israel könne sich bereit erklären, auf die Sieben-Tage-Frist zu verzichten, wenn Arafat "seine Einstellung ändert".

Angesichts der jüngsten Welle von Anschlägen bewaffneter Palästinenser müssen alle israelischen Berufssoldaten von Sonntag an ständig eine Waffe tragen. Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" berichtete, Generalstabschef Shaul Mofas habe die Order vor einem Monat gegeben, um den betroffenen Soldaten ausreichend Zeit zu geben. Bisher mussten nur Berufssoldaten in Kampfeinheiten eine Waffe bei sich tragen. Die neue Maßnahme soll der persönlichen Sicherheit der Soldaten dienen sowie die Zahl bewaffneter Israelis erhöhen, die gegen Attentäter vorgehen könnten. Am Mittwoch waren bei Schussüberfällen von Palästinensern drei Israelis getötet worden. (APA/dpa/Reuters/AP)

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