DNA-Datenbank

28. November 2001, 17:09
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Bisher 40.000 Analysen und 8.500 Tatortspuren - Am 1. Oktober 1997 begann in Österreich neues Zeitalter der Verbrechensaufklärung

Wien/Innsbruck - Am 1. Oktober 1997 hat in Österreich ein neues Zeitalter der Verbrechensaufklärung begonnen: Im Rahmen des Pilotprojekts DNA-Datenbank werden biologische Spuren wie Blut, Sperma, Speichel und Haare nach Sexualdelikten und anderen Kriminalfällen gesammelt, codiert und im Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Innsbruck ausgewertet. Mit einer speziellen Software, dem DNA-Informationssystem, werden die Typisierungen der Proben im Computer des Büros für Erkennungsdienst, Kriminaltechnik und Fahndung (EKF) in Wien regelmäßig verglichen.

Bisher wurden nach Auskunft von Univ.-Prof. Richard Scheithauer, dem Vorstand der Gerichtsmedizin an der Uni Innsbruck, etwa 40.000 erkennungsdienstliche DNA-Proben ausgewertet (Stand Mitte Oktober). Dabei handle es sich um anonymisierte Vergleichsproben, wie der Fachmann ausführte.

Das Procedere in Detail: Von "erkennungsdienstlich zu behandelnden Personen" werden Mundhöhlenabstriche für eine DNA-Untersuchung angefertigt. Abgenommen wird dieser Abstrich mit "Abriebstäbchen", die dann in ein Proberöhrchen gestoßen werden, die mit einer DNA-konservierenden Flüssigkeit gefüllt sind. Die Röhrchen sind mit sogenannten Barcodes anonymisiert gekennzeichnet.

Dazu kommen laut Dr. Herbert Beuchert, dem Chef der Interpol-Wien und "Erfinder" der DNA-Datenbank, ebenfalls mit Stand Mitte Oktober 8.542 biologische Tatortspuren (Haare, Blut, Sperma etc.) aus rund 6.000 Fällen. 986 Verdächtige wurden auf diese Weise ausgeforscht, denen laut Beuchert 1.454 Straftaten zugeordnet werden konnten. Damit beträgt die "Aufklärungsquote" immerhin fast 25 Prozent. Unter den Taten waren acht Morde - alle so genannte cold hits, also Verbrechen, die nach menschlichem Ermessen ohne DNA-Spuren nie zugeordnet und aufgeklärt werden hätten können.

Weiters kamen die Kriminalisten mit Hilfe von "Kommissar DNA" den Tätern von 23 Raubüberfällen, 50 Vergewaltigungen, einer ganzen Reihe von Brandstiftungen und über 1.200 Einbruchsdiebstählen auf die Spur. Beuchert verwies auch auf den Dominoeffekt der Erkenntnisse, weil man über einzelne Verdächtige wiederum Täter(gruppen) ganz anderer Delikte habhaft werden könnte: "Das ist, wie wenn Sie einen Stein ins Wasser werfen, der dann immer weitere Kreise zieht."

Alle Daten werden vom Institut für Gerichtsmedizin im Zentrallabor molekularbiologisch untersucht, die Ergebnisse werden in der DNA-Datenbank aufgearbeitet und verglichen und dann per gesicherter Datenleitung an das Innenministerium in Wien gesendet. Das Projekt ist ein "Non-Profit-Unternehmen", das sich bei geteilter Finanzierung zwischen dem Ministerium und Gerichtsmedizin "selbst tragen" soll. DNA-Analysen gelten laut Scheithauer übrigens rechtlich als "Hinweis" auf, nicht aber als "Beweis" für eine Täterschaft gelten. (APA)

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