Massenlager für Flüchtlinge nicht mehr "zeitgemäß"

28. November 2001, 17:06
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SPÖ für Aufteilung der Asylanten in Privatquartiere

Traiskirchen - Für SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl sind "Massenlager" für Flüchtlinge "nicht mehr zeitgemäß". Die derzeitige Situation in der Betreuungsstelle Traiskirchen sei zu überdenken. Die Flüchtlingsbetreuung müsste auch weiterhin Aufgabe der Gesellschaft sein, forderte Kuntzl, die sich bei einem "Lokalausgenschein" in Traiskirchen gemeinsam mit Bürgermeister Landesrat Fritz Knotzer (S), SP-Sicherheitssprecher, Rudolf Parnigoni und Abgeordneten Anton Pendl (S) gegen eine vom Innenministerium geplante Privatisierung aussprach.

Regierung würde sich damit "aus der Verantwortung stehlen"

Die Regierung würde sich damit "aus der Verantwortung stehlen" so Kuntzl. "Die Flüchtlinge haben ein Recht darauf menschenwürdig untergebracht zu werden, aber mit der derzeitigen Politik steigt die Ausländerfeindlichkeit", unterstich Knotzer der einmal mehr eine Aufteilung der Flüchtlinge in Privatquartiere über das gesamte Bundesgebiet forderte. Diese Forderung sei natürlich mit Kosten verbunden, die aber unbedingt notwendig seien. Eine Dezentralisierung würde eine bessere Integration der Asylanten mit sich bringen. Die Anzahl der Flüchtlingsfamilien in den einzelnen Gemeinden, wäre laut Kuntzl dadurch "viel überschaubarer".

Flüchtlingszahlen variieren

"Die Aufteilung auf das Bundesgebiet kann nur der richtige Weg sein", ist Parnigoni überzeugt. Er versprach "die notwendige Schützenhilfe" im Innenausschuss. Das wichtige Thema müsse auf parlamentarischer Ebene unbedingt diskutiert werden. Pendl hob die jahrelange "Solidarität des Bezirkes Baden" mit den Flüchtlingen hervor. Traiskirchen sei "beispielhaft" was die Betreuung der Asylanten angehe. Das "Lagerdenken" sei nun aber endgültig passe.

Panigonie sprach von 1.500 Flüchtlingen die sich derzeit im Lager aufhalten würden. Seitens des Innenministeriums wurde diese Zahl aber immer wieder dementiert. Bei Verhandlungen mit der Stadtgemeinde und dem Innenministerium einigte man sich darauf, dass maximal 1.000 Personen in der Betreuungsstelle Traiskirchen erlaubt sind, hatte der Pressesprecher von Innenminister Ernst Strasser (V) Gerhard Karner, bereits vergangene Woche erklärt.

Privatquartiere

Die Verlegung der Flüchtlinge in Privatquartiere würde laut Knotzer auch die Unterbringung von Kindern in Schulen und Kindergärten erleichtern. In Traiskirchen gebe es schon jetzt keine Plätze mehr. "Wir bemühen uns wirklich, aber man darf uns nicht überfordern, erklärte der Stadtchef. Er wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren einige Wohnhäuser für Flüchtlingsfamilien gebaut wurden.

Weihnachten stehe vor der Tür und viele Flüchtlinge bräuchten einen Betreuungsplatz "Wir wollen doch vermeiden, dass es zu einer Herbergssuche kommt", erklärte Kuntzl abschließend. Der Lokalaugenschein wurde seitens des Innenministeriums nicht erklaubt. Die Politiker mussten die Presse beim Eingangstor des Flüchtlingslager über ihre Forderungen informieren. (APA)

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