Mullah Omar richtete Kampfappell an seine Truppen

28. November 2001, 16:53
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Nordallianz übergab Rotem Kreuz Leichen von Gefangenen

Kabul - Das Oberhaupt der radikalislamischen Taliban-Bewegung in Afghanistan, Mullah Mohammad Omar, hat nach Angaben aus Taliban-Kreisen am Mittwoch über Funk an seine Kampfverbände appelliert, das ihnen verbliebene Territorium nicht kampflos aufzugeben. An der Grenze zu Pakistan verhandelten am selben Tag die Belagerer mit der Taliban-Garnison in Spin Boldak über eine Kapitulation. Spin Boldak liegt im Raum Kandahar, der letzten Großstadt im Besitz der Taliban, die bis zum Beginn der amerikanischen Luftangriffe am 7. Oktober noch 90 Prozent Afghanistans beherrschten.

Spin Boldak wird von zwei Stämmen des Paschtunen-Volkes belagert. Die Paschtunen bildeten das Rückgrat der Taliban. Doch im Verlaufe des vor zweieinhalb Wochen begonnenen Siegeszuges ihrer Gegner, der Nordallianz, wandten sich immer mehr Paschtunen-Stämme ab. "Das ist keine Frage der Stämme. Das ist eine Frage des Islam", wurde Mullah Omar in Taliban-Kreisen zitiert. "Gebt keinen Boden verloren." Die neuen Gegner der Taliban haben nach eigenen Angaben auch Unterhändler nach Kandahar geschickt, um die Islamisten zur Aufgabe zu bewegen.

Leichen werden geborgen

Die Nordallianz in Afghanistan hat dem Roten Kreuz die Leichen der Gefangenen übergeben, die beim Gefangenenaufstand in Kale-e-Dschangi getötet wurden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) habe mit der Nordallianz über die Bestattung der Leichen verhandelt, sagte ein Sprecher in Kabul. "Die Leichen werden aus ihren Zellen oder besser aus der Gefechtszone geborgen und uns übergeben." Das IKRK werde nicht mitteilen, wieviele Leichen bestattet würden.

Nach Angaben der Nordallianz kamen bei den tagelangen Gefechten um die Festung bei Masar-i-Sharif 450 Gefangene ums Leben, nach anderen Angaben viel mehr. In der Festung wurden afghanische und ausländische Talibankämpfer gefangen gehalten, die sich bei der Einnahme der Stadt Kundus ergeben hatten. Sie hatten am Sonntag Handgranaten gezündet und die Waffen ihrer Wächter an sich gerissen. Bei den anschließenden Kämpfen unterstützen die USA die Nordallianz mit Luftangriffen. Am Mittwoch war die Festung wieder unter Kontrolle der Nordallianz. (APA/Reuters)

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