Die Knackpunkte bei der Afghanistan-Konferenz

28. November 2001, 18:01
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Ausländische Militärpräsenz und Verteilung der Macht

Berlin - Unerwartet schnell haben sich die Gesandten verschiedener afghanischer Volksgruppen auf der Bonner Afghanistan-Konferenz auf den Zeitplan für die Bildung einer Übergangsregierung geeinigt. Sie soll nach dem Willen der Vereinten Nationen eine demokratische Verfassung ausarbeiten. Umstritten sind dagegen die Verteilung der Posten in dieser Regierung und die von der UNO angestrebte ausländische Militärpräsenz in Afghanistan.

Eine INTERNATIONALE MILITÄRPRÄSENZ soll nach dem Willen der Vereinten Nationen verhindern, dass sich verfeindete Kriegsherren nach dem Sturz der Taliban neue Kämpfe liefern. Vor allem die mächtige Nordallianz lehnt eine fremde Truppe im eigenen Land ab. "Das afghanische Volk akzeptiert keine ausländische Streitmacht in Afghanistan, welche auch immer", betonte am Dienstag der Nordallianz-Chef Burhanuddin Rabbani, den die UNO als legitimen Staatspräsidenten anerkennt.

Dagegen signalisierten die übrigen Delegationen ihre vorsichtige Zustimmung zur Stationierung ausländischer Soldaten, solange sie ausschließlich aus neutralen moslemischen Ländern kommen. Ein Delegierter der so genannten Peshawar-Gruppe nannte Malaysia, Marokko und Bangladesch als geeignete Länder. "Ich glaube, darüber gibt es eine Einigung", sagte Anwar el Hak Achadi von der von Pakistan unterstützten Delegation.

Die MACHTVERTEILUNG in der neu zu bildenden Übergangsregierung ist nach der Vertreibung der Taliban in den afghanischen Interessengruppen sehr umstritten. Darüber müssten die "härtesten Verhandlungen geführt werden", sagte ein europäischer Diplomat in Bonn. Besonders die Ämter des mächtigen Regierungschefs und des Innen-, Finanz- und Verteidigungsministers dürften in den vier afghanischen Delegationen heiß begehrt sein. Eine Einbindung aller bedeutenden Volks- und Interessengruppen gilt als Voraussetzung für die Akzeptanz der Regierung im Volk.

Weitgehend einig waren sich die Delegierten nach Angaben des Diplomaten dagegen über die führende Rolle von Ex-König Mohammed Zahir Schah. Er könnte das von den UNO angestrebte "Symbol der Nationalen Einheit" darstellen, um das sich "alle ethnischen, religiösen und regionalen Gruppen sammeln können". (APA)

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