Steigende Sterblichkeitsrate bei über 60-Jährigen während Grippewellen

28. November 2001, 15:14
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Influenza ist unbedingt ernst zu nehmen

Wien - Die "echte" Grippe ist für ältere Menschen lebensgefährlich, warnt die Arge Influenza: Während einer Influenza-Welle steige die Sterblichkeitsrate bei über 60-jährigen Österreicherinnen und Österreichern deutlich an.

Studie

Statistik Österreich hat im Auftrag der Arge Influenza eine Sonderauswertung der wöchentlichen Sterbezahlen durchgeführt. Dabei wurde die Anzahl der im Jahr 2000 pro Woche Verstorbenen unter 60 Jahre mit jener der Verstorbenen über 60 Jahre verglichen. In der Gruppe unter 60 war kein Anstieg während der Influenza-Welle feststellbar. Bei den über 60-Jährigen nahm die Anzahl der Todesfälle von durchschnittlich 1.200 pro Woche während des Jahres auf 1.600 während der Grippewelle zu.

"Während der neun Wochen dauernden Influenza-Welle 2000 betraf die Übersterblichkeit somit 3.600 ältere Menschen", so die Experten. Der Zeitraum korreliere mit den Virusnachweisen aus dem Diagnostischen Influenza-Netzwerk Österreichs des Instituts für Virologie der Universität Wien.

Virenstämme

Die Grippeepidemie 2000 wurde durch Influenza A-Viren, Typ H3N2 verursacht. Sie gelten als besonders aggressiv. Der verwendete Influenza-Impfstoff deckte das zirkulierende Virusspektrum vollständig ab. Allerdings ist derzeit nur knapp ein Drittel der über 60-Jährigen gegen Influenza immunisiert. Daher sei auch bei zukünftigen Epidemien mit einer höheren Anzahl von Todesfällen zu rechnen, falls die Durchimpfungsrate nicht deutlich angehoben wird.

Die Impfung sollte für über 60-Jährige obligatorisch sein, empfiehlt die Arge Influenza. Sie schütze ältere Menschen zumindest vor der schweren Verlaufsform der Erkrankung, das bewiesen zahlreiche internationale Studien. Auch Personen, die mit älteren Menschen, chronisch Kranken und Säuglingen in einem Haushalt leben, sollten sich unbedingt impfen lassen, um diese nicht zu infizieren.

Wer sich impfen lassen sollte

Weitere Zielgruppen der Influenza-Impfung: chronisch kranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene; Schwangere, Personen in Spitälern, in ärztlichen Ordinationen, in Alters- und Pflegeheimen, Personen im öffentlichen Dienst wie Exekutive, Rettungsdienste, Feuerwehr und Personal von Post und Bahn. Die Impfung sei darüber hinaus für jeden sinnvoll und geeignet, der sich selbst schützen und andere nicht infizieren will.

Derzeit gibt es noch keine Influenza in Österreich. Der Jahreszeit entsprechend gibt es gehäuft banale Infekte durch Enteroviren und Rhinoviren. Leider unterbleiben wegen solcher Erkrankungen immer wieder notwendige Impfungen. Die Immunisierung könne aber auch während des Auftretens eines solchen Infektes durchgeführt werden, erinnerte Univ.- Prof. Dr. Christian Kunz. (APA)

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