Serbien: 90 Prozent leben heute schlechter als bis vor einem Jahr

28. November 2001, 14:35
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Draskovic: Zahl der Hungernden seit Milosevics Sturz um eineinhalb Millionen gestiegen

Belgrad - Der Vorsitzende der oppositionellen Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO), Vuk Draskovic, hat die Lage in Serbien als "dramatisch und tragisch" bezeichnet. Seit dem Sturz des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic im Oktober vergangenen Jahres sei die Zahl der hungernden Menschen um eineinhalb Millionen gestiegen und es gebe "immer mehr Selbstmorde unter den Armen, Pensionisten und Flüchtlingen", wurde Draskovic von der Belgrader Nachrichtenagentur Beta zitiert.

Die Kriminellen in Serbien würden nicht gefasst und "die Mafia bekommt die einträglichsten Geschäfte, die durch internationale Kredite finanziert werden", kritisierte Draskovic weiter die regierende Demokratische Opposition Serbiens (DOS). "In Serbien wird heute noch mehr geheim und ungestraft gemordet als vor einem Jahr unter dem Milosevic-Regime, und diese Todesgeschwader haben einen neuen Kommandanten, Zoran Djindjic, bekommen", machte der SPO-Vorsitzende den serbischen Ministerpräsidenten Djindjic für die hohe Kriminalität direkt verantwortlich.

"Kommunismus erneuert

Anstatt einer Erneuerung der Demokratie sei "der Kommunismus erneuert" worden, führte Draskovic weiter aus. Das alte System sei nicht demontiert worden, sondern "unter der Firma der Demokratie entwickelt sich das Partisanentum". Der einzig positive Punkt der neuen Regierung in Belgrad sei die Integration des Landes in die internationale Gemeinschaft. Aber auch dies sei nicht der "Vernunft der Staatsführung" zu verdanken, sondern sei eine "Folge des Willens der EU und der USA, nach dem Milosevic-Sturz den Käfig aufzusperren, in dem sich Serbien befand", so Draskovic.

90 Prozent leben schlechter als bis vor einem Jahr

90 Prozent der Menschen in Serbien würden heute schlechter leben als bis vor einem Jahr. Die serbischen Bürger seien von der neuen Regierung immer mehr enttäuscht. Aus diesem Grund seien Neuwahlen im nächsten Jahr "unausweichlich", schloss Draskovic seine Attacke. (APA)

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