Heimischer Consulting-Markt vor massivem Umbruch

28. November 2001, 14:10
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Verdrängungswettbewerb durch Österreich-Engagement internationaler Firmen

Wien - Der österreichische Consulting-Markt steht nach Einschätzung der Diebold Managementberatung vor massiven Veränderungen in den nächsten Jahren. Diebold-Manager Christian Moder rechnet damit, dass hier zu Lande etwa 4.000 bis 5.000 kleine Beratungsfirmen in Zukunft hart um ihren Markt kämpfen müssen. Als Grund nannte Moder am Mittwoch in einem Pressegespräch den starken Verdrängungswettbewerb durch das Österreich-Engagement vieler internationaler Consulting-Firmen.

Für die Kunden sei der Marktwandel freilich nicht immer von Vorteil. "Viele internationale Consulting-Unternehmen ignorieren schlicht und einfach die kulturellen Eigenheiten der lokalen Märkte. Außerdem versuchen manche, mehr Projekte zu verkaufen als erfahrene Personalressourcen verfügbar sind", sagte Moder zu den Strategien der nach Österreich drängenden ausländischen Konkurrenz.

Marktbereinigung

Daraus resultiere auch eine zunehmende Unzufriedenheit der Kunden mit ihren Beratern. Mittelfristig, ist Moder überzeugt, werde dies zu einer Bereinigung des Markts führen. "Schon jetzt bauen viele unserer Marktbegleiter ihre Überkapazitäten ab."

"Unsitte"

Kritisch äußerte sich Moder zur "Unsitte" der Consultants, den Nutzen der neuen Technologien im E-Business- oder Telekombereich möglichst optimistisch zu beschreiben: "Nachdem sich in den letzten Jahren immer mehr herausgestellt hat, dass neue Technologien nicht automatisch den gewünschten Return of Investment gebracht haben, ist viel Kundenvertrauen verloren gegangen. Da wurde wohl viel verbrannte Erde hinterlassen."

Vor diesem Hintergrund startet die weltweit tätige Diebold-Gruppe (sie hat ihre Zentrale in Eschborn bei Frankfurt/Main und setzte im Vorjahr mit 320 Mitarbeitern gut 740 Mill. S um) eine Marktoffensive in Österreich. Mit einer neuen Geschäftsleitung und einem neuen Büro in der Wiener Lasallestraße will man laut Österreich-Geschäftsführer Christian Pech "neu durchstarten". Diebold Österreich beschäftigt zur Zeit 15 Mitarbeiter, binnen zwei Jahren soll der Personalstand auf 30 verdoppelt werden. (APA)

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