Wirtschaftskammer setzt sich auf Diät

28. November 2001, 19:23
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Schärfere Gangart bei der Entlastung der Mitgliedsbetriebe

Wien - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) muss in den kommenden zwei Jahren Reserven in Höhe von 200 bis 300 Mio. S auflösen und ein Fünftel aller Mitarbeiter abbauen, um die Kammerreform finanzieren zu können. Am heutigen Kammertag soll diese Reform einstimmig abgesegnet werden. Darauf haben sich Wirtschaftsbund (VP), der Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender, Freier Wirtschaftsverband (SP) und die Industrieliste geeinigt.

Kern des Vorhabens ist die Entlastung der Mitgliedsbetriebe um insgesamt 2,1 Mrd. S (152,6 Mio. EURO) bis 2004. Von diesem Betrag werden per Jahresanfang 2002 nicht wie geplant 50 Prozent, sondern bereits zwei Drittel oder 1,4 Mrd. S umgesetzt sein, sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl.

Leitl will die schärfere Spar-Gangart als "Signal" in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstanden wissen. Nach dem Kanzler-Machtwort spricht der oberste Arbeitgebervertreter nicht von Rezession. Die fehlenden 700 Mio. S auf das Gesamtentlastungspaket haben bis 2004 die Länderkammern und Fachorganisationen beizusteuern. Die WKÖ hätte ihr Schuldigkeit getan.

Quer durch die Organisation müssen bis 2004 rund 950 der 5000 Mitarbeiter gehen. In der WKÖ sind 400, in den Länderkammern 550 Beschäftigte betroffen. Bis Jahresende schickt die WKÖ 100 Mitarbeiter in die Pension.

Weitere Reformschritte betreffen die Außenwirtschaftsorganisation, die Verselbstständigung der Wifis, die Gründung einer "Inhouse GmbH" zur zentralen Abwicklung diverser Leistungen für die Gesamtorganisation sowie die Know-how-Bündelung in Kompetenzzentren.

An politischen Forderungen wiederholte die Kammerspitze am Mittwoch die Senkung der Lohnnebenkosten sowie die steuerliche Besserstellung nicht entnommener Gewinne. WKÖ-Vizepräsident Matthias Krenn (RFW) plädierte darüber hinaus für die Gesamtauflösung der verpflichtenden Wertpapierdeckung von Abfertigungsrücklagen per 31. März 2002. Vonseiten der Regierung ist geplant, die Auflösung dieser Wertpapierbedeckungen auf drei Jahre zu verteilen.

Scharfe Kritik an der Kammerreform übt Volker Plass, von der Grünen Wirtschaft. Abseits der "Jubelnachrichten" sei das "steinzeitliche Demokratiedefizit" in der Kammer nicht behoben worden. Es gehe rein um den Machterhalt des Wirtschaftsbundes. Die Grüne Wirtschaft ist nur im Wiener Kammertag vertreten. (miba, Der Standard, Printausgabe, 29.11.01)

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