Lesen macht Politik

13. Dezember 2001, 14:01
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Der ausgebliebene Skandal

"Das Eintreten für Rassenreinheit, Erbgesundheitslehre und gegen die Integration von Ausländern ist per se betrachtet nicht ehrenrührig."(Richter Ernst Maurer)
Ein Rechtsfall, ein Richter, ein Urteil - und kein Skandal. Das nicht jener Stoff, aus dem spannende Geschichten gemacht sind. Doch der erste Eindruck täuscht. Der Rechtstreit kreist um die brisanten Themen Nationalsozialismus, Biologismus, Rechtsextremismus und vom Verhältnis von Organen der Justiz zu diesen Ideologien. Der Richter Ernest Maurer ist weder unbekannt noch unumstritten. Die Sprachwissenschaftler Alexander Pollak und Ruth Wodak untersuchen, ob aus Inhalt, Argumentation und Terminologie des betreffenden Urteilsbegründungstextes Hinweise auf eine mögliche politisch-ideologische Befangenheit des Richters abzuleiten sind. Doch nicht nur der Fall selbst, auch das Stillschweigen der Öffentlichkeit sind im Blickfeld der Untersuchung: Welches Wertebild, welche Toleranzschwelle oder welches Desinteresse hat eine Gesellschaft, die derartige Aussagen unwidersprochen hinnimmt? (ms)
Alexander Pollak/Ruth Wodak: Der ausgebliebene Skandal - Eine diskurshistorische Untersuchung eines Wiener Gerichtsurteils. (mit Kommentaren von Alfred J. Noll und Peter Warta). Czernin Verlag Wien 2001. 159 Seiten, 206 S (15 Euro)



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