Trendforscher Horx: Kommunikationsbranche missachtet Kunden-Wünsche

28. November 2001, 13:35
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New Economy-Entwicklung von Benutzerfreundlichkeit abhängig

Graz - "Die Grundbedürfnisse des Kunden werden übersehen", ortet der Frankfurter Trendforscher Matthias Horx ein Grundproblem der Kommunikationsbranche. Eine der großen kommenden Aufgaben sei die Integration von mobiler und statischer Kommunikation, so Horx. Sei dies gelungen, würden auch die New Ecomony und e-commerce wieder einen Aufschwung erleben. Es gehe um eine Benutzerfreundlichkeit, die bisher im großem Rahmen ausgeblieben sei. Werde diese entwickelt, könne "Internet II" in bis zu sieben Jahren zur Verfügung stehen.

Web-Usability auf dem Prüfstand

Bessere Bedienungsoberfläche, ein Datenbreitband, höhere physische Widerstandsfähigkeit und leistungsfähigere Akkus könnten die Kommunikation zu dem formen, was sie wirklich umfassend nutzbar mache, erklärte der Trendforscher. Der e-card- und Fotoversand über UMTS-fähige Mobiltelefone sei eher als "krampfhafter Versuch, eine Anwendungsmöglichkeit zu finden", zu bewerten. Ebenso wenig habe es funktioniert, über ein Handy-Display Spielfilme abrufen zu wollen. Der Benützer wünsche eine einfache Bedienung, die überall funktioniere und alle Kommunikationssysteme verbinde.

Horx: SMS und Community nur "Mimikry"

SMS und den Internet-Chat bezeichnete Horx als "höchste Form der Mimikry", da könne man unter Wahrung des Inkognito "maximalste emotionale Effekte erzielen". Ein Bildtelefon hingegen werde seiner Erfahrung nach von den meisten Menschen als nicht wünschenswert bezeichnet. Bei Videokonferenzen liege das Problem offenbar darin, dass ein Medium zur Verfügung stehe, das viele nur "mit einer vorgehaltenen Pistole" benützen wollten: Es ersetze ganz einfach nicht die Geschäftsreise, so Horx. "Der Mensch ist ein analoges Wesen und hat ganz spezielle Motivationen, speziell Männer bei Geschäftsreisen," meinte der Zukunftsforscher.

Die Benützer des Internet teilte Horx in Prozentanteile: 20 Prozent seien professionelle Anwender, die es individuell und interaktiv nützten, so genannte "Wissensarbeiter". 30 Prozent nützten es während der Freizeit, hätten aber einen hohen Zeitbedarf beim Finden von Information. Diese wären auch der Stachel im Fleisch des e-commerce: Unternehmen würden immer wieder versuchen, "diese Menschen zum Zahlen von Leistungen im Netz zu motivieren, was diese aber absolut nicht wollen". 50 Prozent hingegen könnten auf Grund ihrer beruflichen Struktur keine "Wettbewerbsvorteile" lukrieren. (APA)

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