Römerfunde in Enns werden zum Streitobjekt

28. November 2001, 12:57
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Bundesdenkmalamt will sie zur Katalogisierung abtransportieren lassen - örtlicher Museumsverein fürchtet sie nie wieder zu sehen

Linz/Wien - Um archäologische Funde aus der Römerzeit, die in Enns (OÖ) in 30 Jahren meist bei Notgrabungen gemacht wurden, ist ein Konflikt zwischen dem örtlichen Museumsverein und dem Bundesdenkmalamt (BDA) in Wien ausgebrochen. Das BDA beabsichtigt, einen Großteil der in Depots gelagerten Funde nach Wien zu schaffen. In Enns besteht aber die Angst, dass sie der Stadt "entzogen" werden.

Das Denkmalamt will die Funde von einem Team katalogisieren, restaurieren und konservieren sowie wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Der "Museumsverein Lauriacum" - die römische Bezeichnung für Enns - betreut in Enns ein Römermuseum. Obmann Herbert Kneifel: "Wir haben das Gefühl, dass uns das, was wir mit Fug und Recht für Enns erhalten wollen, entzogen wird."

BDA beruhigt

Christa Farka vom BDA verweist auf die rechtliche Lage, wonach die Funde zu jeweils 50 Prozent dem Finder und dem Grundeigentümer gehörten, nicht aber dem Museum. Sie gibt aber auch zu bedenken: "Die Verlegung ist weder eine Enteignung, noch wollen wir ihnen etwas vorenthalten." Die schönsten und ausstellungswürdigen Funde seien ohnehin in der Dauerausstellung im Museum und sollten noch weitere derartige dazukommen, würden auch diese in die Ausstellung kommen.

Obmann Kneifel will sich damit allerdings nicht zufrieden geben. Er will darum kämpfen, dass genügend Depoträume in Enns geschaffen werden, damit die Funde dort bleiben können. Außerdem will er dafür eintreten, dass eine Fachkraft angestellt wird, die die Objekte vor Ort wissenschaftlich bearbeitet. (APA)

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