Starkes M3-Wachstum dürfte EZB kaum beeinflussen

28. November 2001, 13:17
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Kein Hindernis für weitere Leitzinssenkung

Frankfurt - Die Geldmenge M3 ist im Oktober etwas stärker als erwartet gewachsen, was nach Einschätzung von Analysten für die EZB aber kein Hindernis für weitere Leitzinssenkungen der EZB ist. In der Jahresrate habe die Geldmenge in der Eurozone bereinigt um 7,4 (September revidiert 6,9) Prozent zugenommen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mit.

Auch der aussagekräftigere gleitende Dreimonatsdurchschnitt von August bis Oktober lag mit 6,8 (Juli bis September revidiert 6,2) Prozent weiter deutlich über dem EZB-Referenzwert von 4,5 Prozent. Das Geldmengenwachstum reflektiere die Unsicherheit an den Finanzmärkten nach den Anschlägen vom 11. September. Analysten reagierten gelassen und verwiesen auf ein geändertes Anlageverhalten nach den Anschläge, das M3 aufgebläht habe.

EZB bereinigte Zahlen um Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen

Die Verzerrung habe im Oktober 0,6 und im September 0,7 Prozentpunkte nach oben betragen. Das Kreditwachstum im privaten Sektor habe sich erneut verlangsamt, und zwar auf 6,8 von 7,0 Prozent im September.

Obwohl Analysten mit einem geringen Rückgang des M3-Wachstums im Oktober gerechnet hatten, lösten die Daten keine neuen Spekulationen aus. "Die Zahlen sind ein bisschen höher als der Markt erwartet hatte, aber nicht dramatisch", sagte Uwe Angenendt von der BHF-Bank in Frankfurt. Ebenso wie sein Kollege Jörg Krämer von Invesco Asset Management geht Angenendt davon aus, dass die EZB ihre Geldpolitik derzeit kaum an der M3-Entwicklungen ausrichtet.

Anleger sind verunsichert

"Die Daten zeigen, dass die Anleger weiter verunsichert sind nach den Anschlägen und ihr Geld in eher sicherere kurzfristige Anlageformen umgeschichtet haben. Für die Zinspolitik der EZB ist M3 derzeit nicht entscheidend, weil momentan die Rezessionssorgen bei weiter rückläufiger Inflation dominieren", sagte Krämer. Er hält eine EZB-Zinssenkung sogar schon in der nächsten Woche für möglich. Spätestens Anfang Jänner werde die EZB ihren Schlüsselzins erneut um 50 Basispunkte auf dann 2,75 Prozent im Schlüsselzins senken, sagte Krämer. Zuletzt hatte die Notenbank am 8. November den Leitzins um 50 Basispunkte auf jetzt 3,25 Prozent gesenkt.

In den Ländern der Euro-Zone haben sich die Konjunkturaussichten zuletzt immer deutlicher eingetrübt. Der Chef des Münchener Ifo-Institus, Hans-Werner Sinn, sieht Deutschland nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal um 0,1 Prozent zum Vorquartal bereits in einer Rezession. Für die Euro-Zone erwarten Analysten im dritten Quartal nur ein BIP-Wachstum zum Vorquartal von 0,1 Prozent. (APA/Reuters)

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    dps / roessler
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