VSStÖ fordert Forstinger-Rücktritt wegen "Forum Alpbach-Affäre"

29. November 2001, 12:28
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Infrastrukturministerin hatte über 500.000 Schilling für "optische Unterstützung" einer Rede ausgegeben - Geschäftsführer einer der beauftragten Firmen: Kein überhöhter Preis

Wien - Der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) fordert den Rücktritt von FP-Infrastrukturministerin Monika Forstinger wegen der "Forum Alpach-Affäre". Die FPÖ-Politikerin habe, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hervorgeht, 545.000 öS für die "optische Unterstützung" für ihre Rede beim Forum Alpbach ausgegeben.

Parlamentarische Anfrage durch SP-Kräuter

Auf die parlamentarische Anfrage durch den SP-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter, ob die Erarbeitung und Präsentation des Forstinger-Referates im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche durch ein privates Unternehmen vorbereitet worden sei, meinte die Infrastrukturministerin am 23. November im Wortlaut:

"Die Präsentation wurde durch private Unternehmen vorbereitet. Im gegenständlichen Fall handelt es sich um die Firma Dr. Hochegger Kommunikationsberatung GmbH für die optische Unterstützung des Vortrages in Form von Video als Opener und Flashanimation (mit Macromedia-Director).

Die Vorbereitungsarbeiten für meinen Auftritt in Alpbach wurde durch die Firma MDI-SPIDI Sprach- und Managementeducation GmbH & Co KEG getätigt."

Die angefallenen Kosten bezifferte Forstinger mit 360.000 Schilling für die Firma Hochegger und mit 94.570 für die Firma MDI-SPIDI (beide Beträge excl. 20 % Ust.)

Modernste Präsentationstechniken notwendig

Forstinger begründete diese Investitionen damit, dass bei einer international so bedeutenden Veranstaltung, in der die Position Österreichs in Bezug auf Technologie und Innovation besonders positiv darzustellen ist, die Präsentation mit "modernsten Kommunikations- und Präsentationstechniken" abzuwickeln sei.

Schiessl: Mehr als ArbeitnehmerInnen-Durchschnittseinkommen für eine Rede

VSStÖ-Vorsitzende Eva Schiessl meint laut Aussendung dazu: "Forstinger hat für eine einzelne Rede mehr ausgegeben, als ein/e durchschnittliche/r ArbeitnehmerIn im Jahr verdient".

Die Vorsitzende des Verbands Sozialistischer StudentInnen weiter: "Verschwendung ist für dieses Verhalten ein Euphemismus. Hinter dem Bild der selbsternannten Partei des kleinen Mannes kommt einmal mehr die blaue Abzocker-Partie hervor". Forstinger habe sich selbst für jede weitere Amtsausübung disqualifiziert und sollte "ihren Sessel schleunigst räumen", fordert der VSStÖ.

Geschäftsführer der Firma Hochegger: Kein überhöhter Preis

Der Geschäftsführer der Firma Dr. Hochegger Kommunikationsberatung GmbH, Dietmar Trummer, betont in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at, keinen "überhöhten Preis" für den Auftrag der Infrastrukturministerin verlangt zu haben.

Trummer: "Die Kosten von 360.000,- sind zum größeren Teil für die Konzeption und Produktion eines 2,5 minütigen Präsentationsvideos über die Innovationskraft der österreichischen Wirtschaft angefallen. Es wurde von einem anerkannten Video- und TV-spezialisten produziert. Jeder in der Branche weiß, dass die angelaufenen Kosten für eine solche Produktion inklusive der Animation eines Vortrages äußerst sparsam sind. Ich weise entschieden zurück, dass Hochegger hier einen überhöhten Preis verlangt oder bekommen hat." (red)

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