Vor der Trennung kommt es oft zu Handgreiflichkeiten

28. November 2001, 14:17
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Geschlagenen Männern glaubt man nicht - vor Gericht

Kassel - Bei Paaren, die kurz vor der Trennung stehen, sind Handgreiflichkeiten offenbar weit verbreitet. Dies ist ein Zwischenergebnis einer Studie zur Lebenssituation von geschiedenen Vätern, die der Bremer Soziologe Gerhard Amendt am Dienstagabend in Kassel vorstellte.

Von 300 anonym befragten Männern hätten fast 100 angegeben, dass es kurz vor ihrer Trennung zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Dazu zählten auch Schläge ins Gesicht oder der Wurf einer Tasse, sagte Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen.

In knapp jedem vierten Fall seien die Handgreiflichkeiten von Männern und zu 58 Prozent sogar von Frauen ausgegangen. In 14 Prozent der Fälle gingen die Handgreiflichkeiten von beiden aus. "Das Ergebnis hat uns sehr überrascht", sagte Amendt. Viele Männer fühlten sich nach solchen Auseinandersetzungen gedemütigt. Ihnen werde oft - beispielsweise vor Gericht - nicht geglaubt, dass sie geschlagen worden seien.

Im Fragebogen sei absichtlich nicht nach Gewalt sondern nur nach Handgreiflichkeiten gefragt worden, weil sonst die Männer aus Scham nicht zugegeben hätten, Opfer von Gewalt durch Frauen gewesen zu sein. Auch wenn die Zahlen auf Angaben der Männer beruhten, seien sie nicht weniger glaubwürdig als wenn Frauen über Misshandlungen von Männern sprächen. "Es geht bei dieser Befragung letztendlich darum, dass man versteht, was zwischen den Paaren läuft", sagte Amendt. Nur mit diesem Wissen könnten TherapeutInnen Rat suchenden Paaren effektiv helfen.

Väter kämpfen nicht

In der bis zum Jahr 2003 laufenden Väterstudie wird auch danach gefragt, warum viele Männer sich nach der Trennung von ihren Kindern zurückziehen. Bisher wurden insgesamt 2.000 Väter befragt. "Viele Väter gaben an, dass sie sich unfair behandelt fühlten", sagte Amendt. Insbesondere treffe dies zu, wenn ihnen der Zugang zu den Kindern verwehrt werde. Die meisten Scheidungsväter wollten ihre Kinder nicht aufgeben. Sie scheinen Amendt zufolge jedoch nicht in der Lage zu sein, für die Beziehung zu ihren Kindern zu kämpfen. Viele Väter reagierten stattdessen fatalistisch und depressiv. Warum, sei noch unklar.

Letztendlich sei es für alle Beteiligten am besten, wenn ein gemeinsames Sorgerecht praktiziert werde. Dies habe eine Studie an 2.500 Paaren an der Fachhochschule Nürnberg ergeben. Danach seien nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern viel zufriedener. (APA)

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