Vereinigte Arabische Emirate feiern dreißigjähriges Bestehen

28. November 2001, 11:57
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Aus den einstigen "Trucial States" der Seeräuberküste wurde ein prosperierender Staatenbund von sieben Golf-Monarchien

Abu Dhabi/Wien - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ("Dawlat al Amarat al Arabiya al Muttahida") feiern am kommenden Wochenende mit großem Pomp den 30. Jahrestag ihrer Gründung. Am 2. Dezember 1971 schlossen sich die Emirate Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Fujairah, Umm al Qawain und Ajman zu einem Staatenbund zusammen; im Februar 1972 kam Ras al Khaimah hinzu. Die Nachbar-Emirate Katar und Bahrain hatten auf ihren ursprünglichen Beitrittswunsch verzichtet und es vorgezogen, ebenso wie Kuwait separat die Souveränität von Großbritannien zu erhalten.

Die kleinen arabischen Fürstentümer standen seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter britischem Einfluss. Die Seeräuberei erreichte Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Sie wurde 1820 durch einen Vertrag mit den Briten beendet, der einen ständigen Waffenstillstand an der Südküste des Persischen Golfs, der so genannten Piratenküste, festlegte und 1835 bzw. 1853 verlängert wurde. 1892 verpflichteten sich die Emirate (offiziell "Trucial States" - Vertragsstaaten), die britische Krone als Schutzmacht anzuerkennen. Diese Vertragspolitik war ein Glied in der Kette der britischen Bemühungen, den Seeweg nach Indien zu sichern.

Wahlmonarchie

Als die britische Labour-Regierung von Premier Harold Wilson im Jänner 1968 die Aufgabe der Stützpunkte "östlich von Suez" innerhalb von drei Jahren ankündigte, beschlossen die Herrscher von Bahrain, Katar und der sieben Vertragsstaaten auf der Konferenz von Dubai im Februar 1968 die Gründung einer Föderation Arabischer Golf-Emirate. Das Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert. Die britischen Truppen zogen Anfang 1971 ab, die Protektoratsverträge von 1892 wurden in "Freundschaftsverträge" umgewandelt.

Die VAE sind (sieht man vom Vatikan ab) neben Malaysia die einzige Wahlmonarchie der Welt. Höchstes Organ der Konföderation (Ittihad) ist der aus den sieben Herrschern zusammengesetzte "Oberste Rat", der aus seiner Mitte das Oberhaupt des Staatenbundes wählt. Seit der Unabhängigkeit ist dies der Emir von Abu Dhabi, Scheich Zayed Bin Sultan al Nahayan. Das mit Abstand größte Emirat Abu Dhabi und das zweitgrößte, Dubai, besitzen ein Vetorecht. Die vierzig Mitglieder des VAE-Parlaments, das nur beratende Funktionen ausübt, werden von den Herrschern ernannt. Mehrmals wurden Palastrevolten in den kleineren Emiraten durch Eingreifen des Obersten Rates beendet. Die auf der Scharia basierende Rechtsprechung obliegt den Emiren, die sie selbst ausüben oder an Kadis delegieren.

Hohes BIP

"Der Wohlstand, die Sicherheit und Stabilität, die unsere Völker heute genießen, sind Früchte langer Jahre der Geduld und des zielstrebigen Kampfes", erklärte Scheich Zayed im Hinblick auf die bevorstehenden Feierlichkeiten. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung zählt zu den höchsten der Welt. Mehr als zwei Drittel des Gesamtterritoriums der über umfangreiche Erdölvorräte verfügenden VAE von 77.700 qkm (davon hat Abu Dhabi 67.350) sind Wüste. Weniger als zwanzig Prozent der mehr als drei Millionen Einwohner sind Staatsbürger der Emirate. Die stärksten Gastarbeiterkontingente stellen Pakistan, Indien, Bangladesch, die Philippinen und der Iran. Schätzungsweise 50.000 Palästinensern leben in den VAE.

1994 haben die USA mit den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Verteidigungspakt geschlossen. Im Golf-Kooperationsrat (GCC) arbeiten die VAE mit Saudiarabien, Kuwait, Katar, Bahrain und dem Sultanat Oman zusammen. 1991 hatten die VAE nach dem irakischen Überfall auf Kuwait der Stationierung von amerikanischen Truppen auf ihrem Staatsgebiet zugestimmt.

Warnung vor Bürgerkrieg

Amerikanischen Plänen zum Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein haben die VAE eine entschiedene Absage erteilt. "Jede von außen gesteuerte politische Veränderung kann zu einer Spaltung des Irak und zu einem Bürgerkrieg führen, dessen Ausmaß nicht abzusehen ist", warnte Scheich Zayed.

Mit dem Iran besteht ein alter Territorialdisput. Teheran hat negativ auf Appelle der Arabischen Liga reagiert, Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts mit den VAE um drei strategisch wichtige Golf-Inseln zuzustimmen. Es handelt sich dabei um die Inseln Abu Mussa und Große und Kleine Tomb. Sie waren 1971 unter dem Schah-Regime vom Iran besetzt worden. (APA)

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    graphik: derstandard.at
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