Bayer Austria: Umstrukturierung nach Ergebnisrückgang

28. November 2001, 14:45
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Lipobay-Rückzug und Konjunkturschwäche belasten

Wien - Die Österreich-Tochter des deutschen Chemiekonzerns Bayer hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001 einen deutlichen Ergebnisrückgang verzeichnet: Das operative Ergebnis sank in den ersten drei Quartalen um 27 Prozent auf 4,8 (2000: 6,6) Mill. Euro (66,0 Mill. S), teilte das Unternehmen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien mit. Im selben Zeitraum verbesserte sich der Umsatz um 5,3 Prozent auf 178,5 Mill. Euro. Als Grund für den Ergebnisrückgang wurde der Marktrückzug des Lipidsenkers Lipobay sowie die weltweite Konjunkturabschwächung genannt.

Das Ergebnis sei "noch zufrieden stellend", sagte Geschäftsführer von Bayer Austria, Bernhard R. Bauer. Konzernchef Manfred Schneider hatte bei der Herbst-Pressekonferenz vor zwei Wochen in Leverkusen erklärt, die Hoffnungen auf eine allmählich einsetzende wirtschaftliche Erholung in den USA hätten sich zerschlagen. Für das nächste Geschäftsjahr ist ein Umsatzwachstum "über dem Durchschnitt der österreichischen Wirtschaft" geplant. Die ersten vorliegenden Ergebnisse vom Oktober ließen dieses Ziel realistisch erscheinen.

Strukturelle Änderungen

Für das kommende Jahr sind auch eine Reihe struktureller Änderungen bei Bayer Austria geplant. Dabei handelt es sich großteils um die Umsetzung konzernweiter Umstrukturierungen wie die Ausgliederung der Sparte Pflanzenschutz. Der Bereich Healthcare soll zusammen mit der Tiergesundheit (animal health) und den Bereichen Pharma, Diagnostika und Consumer Care zu einer eigenständigen Gesellschaft umgebaut werden. Analog zum Gesamtkonzern wird auch Bayer Austria biologische Produkte zum eigenen Geschäftsbereich ausbauen. Einzelheiten stehen aber noch nicht fest, sondern seien auch abhängig davon "was uns die EU-Behörden erlauben", sagte Bauer.

Führungswechsel

Mit Anfang 2002 bekommt die Österreich-Tochter des deutschen Chemiekonzerns einen neuen Geschäftsführer: Martin Hagenlocher (43) folgt Bernhard R. Bauer (62) nach, der mit Jahresbeginn seinen Ruhestand antritt. Hagenlocher leitete bisher den Bereich Healthcare bei Bayer Austria, den er in Personalunion auch weiterhin betreuen wird. Bauer gehört dem Bayer-Konzern seit 40 Jahren an, die letzten neun davon an der Spitze der Österreich-Tochter.

EuGH-Entscheidung begrüßt

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), der in seinem Urteil von Dienstag Österreich zur Umsetzung der so genannten Transparenz-Richtlinie "verurteilt" hat, begrüßt das Unternehmen. Schadenersatzforderungen wurden jedoch ausgeschlossen. Man werde das Urteil jetzt erst einmal eingehend analysieren. Von der Entscheidung werde Bayer Austria auch geschäftlich profitieren, hieß es ohne Präzisierung. Die Transparenz-Richtlinie regelt die Aufnahme von Arzneimitteln in das Heilmittelverzeichnis und legt damit fest, welche Medikamente auf Krankenkassenkosten verschrieben werden können. Österreich hat diese Richtlinie bisher nicht umgesetzt. (APA)

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