Gerfried Puck – der Aufsteiger des Jahres

28. November 2001, 11:23
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Ein Mann geht seinen Weg: Der Kärntner Gerfried Puck gewann heuer zwei große Preise und ist nach Hugo Simon der erfolgreichste österreichische Springreiter des Jahres 2001!

Er ist noch keine 30 und nach Hugo Simon der derzeit erfolgreichste Österreicher im internationalen Springsport: ein Jockey mit Zukunft. Gerfried Puck, am 22. Februar 1973 in Klagenfurt geboren, wußte schon als junger Bursche, wo er hinwollte: nämlich nach oben. Mit 16 schmiß er seine Lehre als Chemielaborant hin, um nach Deutschland zu gehen und dort, im Land mit den besten Reitern und der besten Ausbildungsbetriebe, selbst einer der Besten zu werden.

Pferdenarr von Kindheit an

Mit Pferden war Gerfried Puck von Kindheit in Kontakt, seine Eltern hatten eine Landwirtschaft in Klein-St. Paul, auf der es auch Pferde gab. Gerfried hat das Reiten getaugt, und so ging er als 12jähriger an den Dienstlhof, damals wie heute eine Hochburg des Kärntner Reitsports. Bei Franz Josef Rainer lernte er eine Menge und stieß bald zur nationalen Spitze vor, und zwar – erstaunlicherweise – gleich in zwei Disziplinen, nämlich in der Vielseitigkeit und im Springen. Puck: "Ich war Vielseitigkeits-Landesmeister der Ländlichen Reiter, bin bis Klasse M Military geritten und war auch im Junioren-EM-Kader. Im Springen war ich mit 14 Jahren Österreichischer Jugend-Meister (1987) und bei der Junioren-Europameisterschaft 1989 in Nunen/Holland dabei."
Dieses Championat sollte für den Puck jedoch zu einem entscheidenden Wendepunkt seiner Karriere werden "Wir haben bei dieser EM eigentlich sehr schlecht abgeschnitten, und ich habe gesehen, daß es wenig bringt, in Österreich so weiterzumachen wie bisher. Zuhause habe ich dann meinen Eltern gesagt: Ich will ins Ausland und dort ‘was lernen."

Ab ins Ausland

Gerfried Puck brach seine gerade begonnene Lehre als Chemielaborant ab und ging 1989, gerade 16 Jahre alt, nach Deutschland. Passau, Achselschwang und Landshut waren seine Stationen – gelernt hat er überall viel, am meisten jedoch, wie er selbst sagt, "in Achselschwang, wo ich im gleichen Reitverein wie der Ludger Beerbaum war, der damals für den Stall Moksel ritt. Daß Ludger mein Trainer gewesen ist, wäre zuviel gesagt – aber ich habe ihn wirklich viel beobachtet in dieser Zeit, im Training, auf den Turnieren, und hab‘ mir eine Menge von ihm abgeschaut. Einen wirklichen Trainer hab‘ ich eigentlich nie gehabt" 1994, als er genug gelernt hatte, kam er wieder zurück nach Österreich. Auch bei dieser Entscheidung hat Frust mitgespielt: "Ich hab‘ es satt gehabt, Pferde auszubilden und soweit zu bringen, daß sie im Turniersport mit anderen vorne sein können. Und sobald eines soweit war, ist es dann weiterverkauft worden – man hat nie die Früchte seiner Arbeit ernten können. Als Österreicher in Deutschland bleibst du meistens übrig, denn die schauen natürlich primär darauf, daß die eigenen Leute vorne sind und groß rauskommen. Deshalb bin ich wieder weg."

Heimkehr nach Österreich

Hierzulande entwickelten sich die Dinge jedoch positiv, sein guter Ruf als Ausbilder hatte sich rasch herumgesprochen, auch bis zu Dr. Hans Schwaiger, der mit Puck eine Partnerschaft einging und 1996 den Schneeweißhof in Treffen gründete. Dieser ist seither die Heimat von Gerfried Puck – und einer der wichtigsten Ausbildungsbetriebe für den heimischen Spring-Nachwuchs, der Gerfried Puck besonders am Herzen liegt. Und auch die Turnierreiterei trieb Puck mit Vehemenz voran – und mit Erfolg, wie die Erfolge der letzten drei, vier Jahre beweisen. Sie wären freilich undenkbar ohne seinen Bruder, Robert Puck´: "Robert ist einen ähnlichen Weg wie ich gegangen, er ist vor zehn Jahren nach Holland ausgewandert, hat dort fünf Jahre bei Roelof Bril gelernt und sich dann selbständig gemacht. Heute besitzt er eine eigene Anlage mit 45 Boxen und einen florierenden Pferdehandelsstall. Meine Pferde kommen alle von ihm, wir haben eine Art Trainings- und Arbeitsgemeinschaft gegründet: Er sucht junge Pferde in Holland, Belgien usw., reitet sie an und gibt sie dann an mich weiter."

Brüderliche Arbeitsteilung

Diese Arbeitsgemeinschaft funktioniert allerfeinst: Mit Pferden wie I dont‘t know, Garant und Australia 2000 stieß Puck zur nationalen Spitze vor und heimste auch die ersten internationalen Lorbeeren ein. So richtig ab ging die Post aber 1999, als Puck den damals achtjährigen Olympic 2, einen belgisch gezogenen Fuchswallach, von seinem Bruder Robert übernahm und mit dem er schon im Jahr 2000 vier Große Preise gewinnen konnte. Heuer war der Sieg im Grand Prix von Wr. Neustadt/Arena Nova sein größter Triumph.
Sein neuester Trumpf ist freilich der achtjährige Hoeks Ludo W, ein holländisch gezogener, gekörter Hengst und Vollbruder von mit dem Roelof Bril den Audi Grand Prix in Wien 1999 gewonen hat Mit dem Sieg im Großen Preis von Budapest feierte Hoeks Ludo W einen fulminanten Einsteig im Großen Sport. Übertreiben will es Puck mit dem noch jungen Pferd freilich nicht: "Er braucht sicher noch Zeit, und ich setze ihn im Moment nur spärlich in schweren Prüfungen ein. Aber mit Olympic 2 und Hoeks Ludo W und noch zwei, drei anderen vielversprechenden Pferden kann ich mich im Moment wirklich nicht beklagen."
Die nächsten sportlichen Ziele? "Das Weltcup-Finale 2002 in Leipzig und natürlich die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Jerez." Und irgendwann möchte Puck auch bei Olympischen Spielen dabeisein – doch das haben uns schon die Namen seiner Pferde Australia 2000 und Olympic verraten.
Leo Pingitzer

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