USA: Nordallianz nicht als Regierung anerkennen

28. November 2001, 07:19
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Warnung richtet sich an Russland und andere Länder

Washington - Die US-Regierung hat Russland und andere Länder indirekt davor gewarnt, die Nordallianz nach deren militärischen Erfolgen gegen die Taliban in Afghanistan bereits als neue Regierung anzuerkennen. Ein hoher Vertreter des Außenministeriums nannte bei diesem Hinweis keine Ländernamen, stellte aber klar, dass mit dem Hinweis außer Russland auch andere Regierungen gemeint seien. Der Vertreter äußerte sich, während auf dem Petersberg bei Bonn am Dienstag die Eröffnungsrunde der Afghanistan-Konferenz mit Delegierten aus verschiedenen Fraktionen Afghanistans begann.

Russland und der Iran hatten die Nordallianz mit Waffen beliefert, als die radikal-islamischen Taliban noch die Kontrolle über den größten Teil Afghanistans inne hatten. Eine Woche, nachdem die Nordallianz die Stadt von den Taliban erobert hatte, eröffnete der Iran bereits ein Konsulat in Herat. Und am Montag hatten überraschend 100 russische uniformierte Bewaffnete eine Basis auf einem Stück Ödland in Kabul errichtet. Angeblich soll es sich um ein Feldlazarett handeln, in den USA wurde jedoch vermutet, es könne auch die Absicht dahinter stecken, eine neue Botschaft in Kabul zu errichten.

Hinweis nicht nur an Russland

Bei allen derartigen Bemühungen, sei es zur Herstellung diplomatischer Kontakte oder auch für humanitäre Aktionen, dürfe nicht der Eindruck entstehen, es seien normale diplomatische Beziehungen zur sogenannten Regierung des ehemaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani geplant, warnte der US-Regierungsvertreter. Mit Russland sei auch darüber gesprochen worden, aber der Hinweis beziehe sich nicht nur auf Russland. Rabbani hatte seinen Sitz bei den Vereinten Nationen behalten, auch nachdem die Taliban die Kontrolle über das Land erobert hatten.

Der amerikanische Präsident George W. Bush begrüßte den Beginn der Afghanistan-Konferenz bei Bonn, die zum Ziel hat, eine Übergangsregierung und eine Art Parlament zusammen zu bringen, das eine verfassungsgebende Versammlung vorbereiten soll. Die Übergangsregierung könnte nach einem UNO-Vorschlag drei bis sechs Monate amtieren und dann - voraussichtlich im Frühjahr - von einer Art verfassungsgebenden Versammlung abgelöst werden. Ein Sprecher Bushs betonte, für die Taliban dürfe es jedoch keine Rolle in der Interimsregierung geben. US-Präsident Bush erhoffe sich eine Vielfalt der ethnischen Gruppen und eine bedeutende Rolle der Frauen in der künftigen Regierung Afghanistans, sagte der Sprecher. (APA/Reuters)

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