Fed sieht weiter Abwärtsrisiken für US-Wirtschaft

27. November 2001, 22:06
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Notenbank-Chef hat trotz guter Zukunftsaussichten keine Grund zu Optimismus

St. Louis - Die US-Notenbank Fed erwartet im Laufe des nächsten Jahres eine konjunkturelle Erholung in den USA, sieht aber weiterhin Abwärtsrisiken für die amerikanische Wirtschaft. Fed-Gouverneur Lawrence Meyer sagte seinem Redetext zufolge am Dienstag bei einer Veranstaltung in St. Louis, Zurückhaltung bei der Lockerung der Geldpolitik wegen bereits niedriger Zinsen wäre eine fehlgeleitete Strategie.

"Sollte es etwa heißen, die Fed sollte ihr Pulver trocken halten, wie einige argumentiert haben, und sich mit weiteren Lockerungen zurückhalten, für den Fall, dass die Konjunkturabschwächung ausgeprägter wird oder für den Fall weiterer Schocks? Ich glaube eine solche Strategie wäre verfehlt - in der Tat das Gegenteil dessen, was angemessen wäre", sagte Meyer.

Abwärtsrisiken

Die bisher von der Fed vollzogenen Zinssenkungen würden helfen, die Wirtschaft gegen die Abwärtsrisiken abzusichern. Allerdings seien diese noch nicht in vollem Umfang in der Wirtschaft wirksam geworden, sagte Meyer, der stimmberechtigtes Mitglied des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) ist. Möglicherweise seien auch negative reale Tagesgeldszinsen erforderlich, um eine rasche Erholung der Wirtschaft zu unterstützen. Der Zielsatz für Tagesgeld ist der Schlüsselzins der US-Notenbank. Im bisherigen Jahresverlauf hat sie diesen um insgesamt 4,50 Prozentpunkte auf derzeit 2,00 Prozent gesenkt.

Rasche fiskalische Maßnahmen

Die Geldpolitik sei generell nicht weniger wirksam als in der Vergangenheit, sagte Meyer. Allerdings könnten vorübergehende, rasch wirkende fiskalische Maßnahmen helfen, den konjunkturellen Umschwung zu stärken. Die Frage, wie aggressiv die Fed vorgehen soll, habe sich nach den Anschlägen am 11. September noch drängender gestellt, insbesondere mit Blick auf Japan, wo Zinsen nahe Null Prozent bislang keine Erholung von der seit rund zehn Jahren dauernden wirtschaftlichen Talfahrt gebracht hätten.

Am Devisenmarkt war zunächst keine Reaktion auf die Äußerungen von Meyer festzustellen. Der Euro verharrte bei Kursen nahe 0,8820 Dollar. Dagegen gewannen US-Rentenpapiere und die US-Aktienbörsen auf Grund wieder auflebender Hoffnungen auf Zinssenkungen an Boden.(APA/Reuters)

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