Umfrage belegt Zweifel an Stil und Ziel der heimischen Politik

27. November 2001, 21:50
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Nur acht Prozent wären gern Politiker

Linz - 89 Prozent der Österreicher sagen von sich, dass sie keinesfalls in die Politik möchten, nur acht Prozent wären gerne Politiker. Der Anteil der Politikbereiten ist auch unter Akademikern und unter jüngeren Befragten tendenziell höher - "besonderes politisches Engagement ist aber nicht zu erkennen", sagt der Chef des Linzer market-Instituts Werner Beutelmeyer. Die geringsten Rekrutierungsprobleme dürfte nach seinen im September unter 402 Österreichern durchgeführten Erhebungen die FPÖ haben.

Dabei sagen 87 Prozent der Befragten, dass Politiker wichtig für Österreich sind - nur für ein Prozent trifft diese Aussage gar nicht zu.

Allerdings wird der Stil der Politik heftig kritisiert. Und dass die Politiker langfristig denken, glauben auch nur 22 Prozent, 42 Prozent würden dem zumindest teilweise zustimmen und 32 Prozent meinen, dass das gar nicht zuträfe. Das höchste Vertrauen in die Langfristigkeit politischen Denken und Handelns haben die ÖVP-Wähler, was möglicherweise mit dem Vertrauen in den von der eigenen Partei gestellten Kanzler zusammenhängt.

24 Prozent halten die politische Kultur in Österreich für "gar nicht zufrieden stellend", 43 Prozent für "eher weniger zufrieden stellend" und nur 30 Prozent für "zufrieden stellend" - die Kategorie "absolut zufrieden stellend" nannten weniger als ein Prozent der Befragten. Am relativ zufriedensten sind junge Befragte und FPÖ-Anhänger. Übrigens glaubt ein Großteil der Befragten aus dem ländlichen Raum, dass in ihrer eigenen Gemeinde eine höhere politische Kultur herrsche.

Kein Respekt

Großes Misstrauen gegen die Politiker an sich ergibt sich aus der Beantwortung der Frage, ob Politiker zu ihren Aussagen und Meinungen stehen - dem stimmen nur neun Prozent zu. Gerade elf Prozent vermuten, dass "sachliche Argumente vor die Parteiideologie" gestellt würden und 13 Prozent glauben, dass Politiker ihre Kollegen in anderen Parteien respektieren.

61 Prozent vertreten die Auffassung, die Interessen der Bürger seien für die Politiker "nur vor den Wahlen wichtig". 30 Prozent antworteten, dies sei teilweise der Fall, neun Prozent meinten, dies treffe nicht zu. Die Gegenthese - "Für die Politiker zählt nur der Dienst am Bürger" - stützen nur 22 Prozent voll.

Die Frage "Achten Politiker vor allem auf ihre eigenen Interessen ?" wurde von 53 Prozent bejaht, von 35 Prozent mit "teils, teils" beantwortet und von zehn Prozent verneint, der Rest hatte keine Meinung. (DerStandard,Print-Ausgabe,28.11.2001)

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