Afghanische Frauen fordern Grundrechte ein

27. November 2001, 19:19
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Gespräch mit Teilnehmerinnen der Petersberg-Konferenz

Königswinter - Nach jahrelanger Unterdrückung haben Vertreterinnen der afghanischen Frauen auf der Afghanistan-Konferenz bei Bonn offen ihre Rechte eingefordert. Erstmals saßen am Dienstag auch zwei Frauen unverschleiert mit 36 Männern am Verhandlungstisch. Außerdem waren zwei weitere Frauen als Beraterinnen anwesend.

Die zur so genannten Zypern-Gruppe von Exil-Afghanen gehörende Delegierte Fedigheh Balchi sagte in einer Sitzungspause vor Journalisten: "Unsere Frauen wurden von den Taliban in den letzten Jahren schwer unterdrückt. Jetzt aber haben wir die Chance zu einer Renaissance der Frauen." Sie sei sicher, dass alle Frauen - auch die gläubigen - einen angemessenen Status im künftigen Afghanistan haben würden.

Neubeginn für Afghanistan

Fatemeh Gailani von der Peshawar-Delegation, die die Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen vertritt, meinte, die Konferenz sei eine einmalige Gelegenheit, Afghanistan neu aufzubauen. "Wenn es hier nicht gelingen sollte, einen Kompromiss zu finden, dann gehen wir sehr schwierigen Zeiten entgegen", sagte sie.

Auch auf andere Weise verschafften sich die Frauen zum Auftakt der Konferenz Gehör: Am Fuße des Petersbergs, den die Polizei weiträumig abgeriegelt hatte, demonstrierten etwa 150 Frauen, unter ihnen viele Exil-Afghaninnen, gegen Unterdrückung. Lautstark machten sie ihrem Unmut über eine "Islamische Republik Afghanistan" Luft.

Die zur Gruppe des Ex-Königs Mohammed Zahir gehörende Delegierte Sima Wali sagte, Frauen sollten beim Wiederaufbau Afghanistans und der politischen Strukturen eine aktive Rolle spielen. "Es wäre wunderbar gewesen, wenn wir hier mehr Frauen wären", sagte Wali. "Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung." (APA/AP/dpa)

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