Machtkampf Kirch gegen Hersteller verschärft sich

28. November 2001, 16:30
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Die Autohersteller luden die Formel 1 Teams zur Mitarbeit in der neuen Rennserie ein

Hamburg - Die Formel 1 steuert weiter auf einem selbstzerstörerischen Kurs. Ohne "Wenn und Aber" wollen die in der Königsklasse des Motorsports aktiven europäischen Automobilkonzerne spätestens vom Jahr 2008 an in Eigenregie kräftig Gas geben und damit den neuen Besitzer Leo Kirch weiter ausbremsen. Mit einer vom italienischen Fiat-Konzern, zu dem auch das Ferrari-Team um Weltmeister Michael Schumacher gehört, in drei Sprachen verteilten Ankündigung wurde der seit dem Frühjahr schwelende Streit weiter verschärft. "Wir haben", hieß es in der von Fiat-Pressesprecher Gualberto Ranieri am Mittwoch verbreiteten Erklärung, "die Formel-1-Teams eingeladen, an der neuen Serie mitzuwirken."

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer Leo Kirch wurden in dieser Woche in Genf bei einem Treffen der Autobauer und der Rennställe weitere Eckdaten vereinbart. Chef der neuen Gesellschaft (GPWC Holding B.V) mit Sitz in den Niederlanden wird Fiat-Vorstand Paolo Cantarella. Als sein Stellvertreter wird Jürgen Hubbert von Daimler-Chrysler (Mercedes) fungieren. Am Steuer sitzen auch Patrick Faure (Renault), Burkhard Goeschel (BMW) und Wolfgang Reitzle (Ford).

Kirch rechnet noch mit Eingiung

Die Gründung einer Gegenserie sei seit Monaten bekannt, beschwichtigte ein Kirch-Sprecher am Donnerstag und kündigte an, dass die KirchGruppe ihr Engagement in der Formel 1 fortsetzen und diese zum Vorteil aller ausbauen wolle. Kirch habe den Herstellern ein Angebot gemacht und sei weiter gesprächsbereit. Aus Unternehmenskreisen wurde verlautet, dass mit einer Einigung gerechnet werde. Seit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone die Mehrheitsanteile an seiner Gesellschaft (SLEC) an den Münchner Medien-Unternehmer Kirch verkauft hat, fürchten Teams und Hersteller sehr werbewirksam, dass die Formel 1 im Pay-TV verschwindet.

Allerdings geht es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor allem um Einfluss und Einnahmen. Schließlich kassiert vor allem die Formel-1-Holding SLEC die Millionengelder aus den weltweiten TV-Rechten. Als Lockmittel für die Formel-1-Teams hat Cantarella schon versprochen, dass es in der "New Series" gerechter zugehen solle. Für die italienische Sportzeitung "La Gazzetta dello Sport" sitzen die Autohersteller am längeren Hebel. Eine Einigung sei nur möglich, wenn die andere Seite "klein beigibt". (APA/dpa)

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