Für demokratische Mitbestimmung

27. November 2001, 20:02
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Grünewald glaubt Universitäten in Gefahr

Wien - Ein klares Ja zu Reformen und zu universitärer Autonomie, aber ein definitives Nein zum Entwurf von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) für die Vollrechtsfähigkeit der Universitäten deponierte Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald am Montag.

Es sei "Etikettenschwindel", wenn den Universitäten Autonomie versprochen werde und gleichzeitig ein Universitätsrat installiert werden soll, der in Zukunft alle wesentlichen strategischen Entscheidungen an den Unis treffen werde und den Uni-Senat damit in Abhängigkeit bringe.

Zudem werde die demokratische Mitbestimmung beschnitten, 80 Prozent der Universitätsangestellten seien künftig von inneruniversitären Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, kritisierte Grünewald am Montag: "Von Mitbestimmung keine Spur." Besonders empört ist Grünewald über Gehrers Aussage, Demokratie sei kein Qualitätsmerkmal: "Das ist skandalös. Der Geist, der dahinter steht, ist indiskutabel."

10 bis 15 Prozent Mehrkosten

Grünewald befürchtet zudem hohe budgetäre Folgekosten der Ausgliederungen. Alleine durch die privatwirtschaftlichen Angestelltenverhältnisse für das Personal würden 10 bis 15 Prozent Mehrkosten anfallen. 30 Prozent der universitären Labors müssten geschlossen werden, weil sie den Vorschriften (Arbeitnehmerschutz) nicht entsprechen würden oder Probleme hätten, Abfertigungen sowie Überstunden zu zahlen.

Überhaupt drohe eine zunehmende "Degradierung der Universitäten zu rein marktorientierten Ausbildungsstätten". Grünewald fordert vor allem mehr Förderung für Nachwuchswissenschafter. "Wenn der Entwurf so kommt, sehe ich eine massive Gefahr für die Universitäten." (nim,derstandard,print-ausgabe,28.11.2001)

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