Marines vor Kandahar in erste Kämpfe verwickelt

27. November 2001, 19:01
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Militärkonvoi der Taliban stieß zur Luftbasis der US-Soldaten vor - Angeblich 600 Tote bei Gefängnisrevolte

Kabul/Kandahar/Washington - Die USA haben am Dienstag ihre Truppen nahe der letzten Taliban-Hochburg Kandahar in Südafghanistan verstärkt und sind dabei in erste Kämpfe verwickelt worden. US-Marines griffen Montagabend mithilfe von Kampfhubschraubern des Typs "Cobra" einen Konvoi der Taliban mit rund 15 Fahrzeugen an, der sich dem Flugplatz näherte. Mehrere Fahrzeuge wurden zerstört.

Presseoffizier Stuart Upton sagte zu Journalisten, die mit zu dem Stützpunkt eingeflogen worden waren, seit dem Einfall Sonntagnacht seien jede Nacht Transportmaschinen des Typs Herkules und weitere Hubschrauber mit Verstärkungen und Material gelandet. Die US-Streitkräfte halten sowohl die Zahl der Truppen als auch den genauen Ort des Flugfelds geheim. Bewohner der Region sagten jedoch, bei dem von den US-Soldaten eingenommenen Flugfeld handle es sich um den Flugplatz Dolangi, den der Terroristenführer Osama Bin Laden gebaut und benutzt habe. Nach Angaben der US-Armee wurden seit Montag rund 500 Marine-Infanteristen auf einen Flugplatz bei Kandahar verlegt. Von der Luftbasis aus wollen die USA die Suche nach Bin Laden organisieren.


IKRK soll Tote zählen

Zwei Tage nach Beginn des Aufstands in einem Gefängnis bei Mazar-e Sharif hat die Nordallianz nach eigenen Angaben die Lage wieder völlig unter Kontrolle. Der Kommandant Ustad Attah sagte, alle aufständischen Taliban-Kämpfer seien entwaffnet worden. Bei den Gefechten in der Festung wurden vermutlich Hunderte Menschen getötet - 600 nach Darstellung der Nordallianz. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes soll die Leichen der getöteten Gefangenen einsammeln. Die Nordallianz hatte am Montag eine entsprechende Anfrage an das IKRK gerichtet. Die USA trugen mit massiven Luftschlägen zur Niederschlagung des Aufstands bei.

Eine bewaffnete russische Einheit ist in der Nacht zum Dienstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet und hat dort großes Aufsehen erregt. Die 90 Mann starke Einheit gehöre zum Ministerium für Katastrophenschutz und habe die Aufgabe, ein Lazarett aufzubauen und die russische Botschaft wieder benutzbar zu machen, sagte ein Angehöriger der Truppe. Es handele sich nicht um eine Armeeeinheit. Die Sowjetunion war 1980 in Afghanistan einmarschiert. In der nordafghanischen Stadt Kundus kam unterdessen erneut ein Journalist - der achte seit Kriegsbeginn - ums Leben. Der 42-jährige schwedische Kameramann Ulf Strömberg soll Opfer eines Raubüberfalls geworden sein. (Reuters, AFP, dpa, DerStandard,Print-Ausgabe,28.11.2001)

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