Afghanistan-Konferenz einigt sich auf Übergangsordnung

29. November 2001, 21:02
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"Feinabstimmung" vor Bildung eines vorläufigen Parlaments und eines provisorischen Kabinetts

Bonn - Die von den Vereinten Nationen organisierte Afghanistan-Konferenz in Deutschland hat den Durchbruch zu einer politischen Übergangsordnung für das vom Krieg zerstörte Land erzielt. Grundsätzliche Einigkeit bestand am Donnerstag auf dem Petersberg bei Bonn unter den vier Delegationsgruppen über die Bedingungen für die Einsetzung eines provisorischen Kabinetts und eines vorläufigen Parlaments. Die Verhandlungen gingen in die Schlussphase. Annäherung wurde ebenfalls über eine zukünftige Friedenstruppe gefunden. Die Nordallianz gab ihre grundsätzliche Ablehnung auf.

UNO-Sprecher Ahmed Fawzi äußerte sich optimistisch, dass die Konferenz an diesem Wochenende mit einem Erfolg abgeschlossen werden könne. Alle Delegationen hätten ihren "ernsten Willen" betont, zu einer Konsensverständigung zu kommen. Sie seien sich darüber im Klaren, dass dies eine einmalige historische Chance sei. Die Vertreter der Nordallianz betonten, sie seien nicht gegen die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe. Eine solche Truppe könne aber erst nach der Bildung einer Übergangsverwaltung stationiert werden, falls dies dann "notwendig" sei.

Gemeinsame Arbeitsgruppe

Die vier Delegationen hatten eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet, in der über die personelle Zusammensetzung der Übergangsgremien beraten wird. Nach Angaben von Fawzi soll das provisorische Kabinett aus 15 bis 25 Mitgliedern und der Übergangsrat aus 120 bis 200 Mitgliedern bestehen. "Die Delegierten schreiben weiterhin Namen auf und sind dabei in direktem Kontakt zu Afghanistan", sagte Fawzi. "Die Feinabstimmung ist im Gange."

Die Anhänger des ehemaligen Königs Mohammed Zahir haben eine führende Rolle für den Ex-Monarchen vorgeschlagen. Zahir Schah solle in der Übergangszeit als Staatsoberhaupt fungieren, sagte der Leiter der Delegation der so genannten Rom-Gruppe, Abdul Sattar Sirat, am Donnerstagabend vor Journalisten in Königswinter. Die Rom-Gruppe stellt elf der insgesamt 28 Delegierten bei den seit Dienstag geführten Gesprächen auf dem Petersberg bei Bonn. (APA/dpa)

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