Millionen-Betrag aus "Reemtsma-Lösegeld" aufgetaucht

27. November 2001, 18:41
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Fingierter Überfall brachte deutsche Fahnder auf die Spur

Aachen - Rund 1,5 Millionen Mark (766.938 Euro/10,55 Mill. S) aus dem Lösegeld der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma sind in Aachen (Nordrhein-Westfalen) aufgetaucht. Ein 33-jähriger Physiotherapeut hatte die rund 700.000 US-Dollar von einem 57-Jährigen erhalten, dessen Bruder zum engen Umfeld des Reemtsma-Entführers Thomas Drach gehört. Das berichteten die Staatsanwaltschaften in Aachen und Eupen am Dienstag.

Gegen den inzwischen verhafteten 57-Jährigen werde wegen des Verdachts der Mittäterschaft in einer kriminellen Vereinigung, Hehlerei und Geldwäsche ermittelt. Der 33-Jährige hatte die 700.000 Dollar nur zur Aufbewahrung erhalten, davon aber 100.000 Dollar ausgegeben. Am 4. November sollte er das Geld im belgischen Kelmis zurückgeben. Daraufhin schlug er einem 39-jährigen Bekannten vor, die Personen zu töten, denen der die Scheine aushändigen sollte, berichtete die Staatsanwaltschaft. Als der 39-Jährige ablehnte, täuschten sie einen Überfall vor, um das Verschwinden des Geldes zu erklären.

Der 33-Jährige wurde daraufhin von seinem Komplizen am 4. November mit einem Schuss schwer verletzt und ins Aachener Klinikum gebracht. Der Komplize gestand ein Woche später die Tat. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des 33-Jährigen, der in Belgien lebt und in Aachen praktiziert, entdeckte die Polizei die übrig gebliebenen 600.000 Dollar.

Der vermögende Hamburger Mäzen Jan Philipp Reemtsma war im März 1996 entführt und gegen ein Lösegeld von 30 Millionen Mark (15,3 Mill. Euro/211 Mill. S) frei gelassen worden. Ein Großteil der Summe gilt noch als verschwunden. Als Drahtzieher der Tat war Thomas Drach im März 2001 zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.(APA)

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