Harsche Kritik an Microsoft- Milliardenspende

28. November 2001, 08:49
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US-Softwaregigant verzichtet auf Anhörung im EU-Kartellrechtsstreit

San Jose/New York - Die geplante Milliardenspende von Microsoft für amerikanische Schulen zur Beilegung von mehr als 100 Sammelklagen ist von der Konkurrenz scharf kritisiert worden. Die Spende könnte die Produkte anderer Unternehmen aus den Schulen drängen, beklagten am Dienstag verschiedene Software-Hersteller sowie die Computer and Communications Industry Association.

Nach einem Vergleichsvorschlag soll der weltgrößte Softwarekonzern in den kommenden fünf Jahren mehr als 14.000 der ärmsten Schulen in den USA mit Computern und Software ausstatten. Im Gegenzug würden mehr als 100 Sammelklagen von Privatleuten zurückgenommen. Die Kläger hatten Microsoft vorgeworfen, die marktbeherrschende Stellung für überhöhte Preise ausgenutzt zu haben. Die Übereinkunft, die am Dienstag von einem Gericht in Baltimore beraten werden soll, würde Microsoft nach Schätzungen rund 1,1 Mrd. Dollar (1,247 Mrd. Euro/17,2 Mrd. S) kosten.

Vormachtstellung ausgeweitet

Eine Lösung, die das Verschenken von Microsoft-Programmen beinhalte, weite die Vormachtstellung des Softwaregiganten nur auf Kosten der Wettbewerber aus, sagte Bruce Hammond, Chef von Gobe.com, dem Onlinedienst SiliconValley.com. Das Unternehmen Gobe.com produziert Schulsoftware, darunter auch eine speziell für Kinder angepasste Textverarbeitung, die nun durch Microsoft Word verdrängt werden könnte.

Ed Black, Präsident der von Microsoft-Konkurrenten unterstützten Vereinigung Communications Industry Association wandte sich in einem Brief an Richter J. Frederick Motz ebenfalls gegen den Vergleich, berichtete die Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Die angestrebte Einigung verhindere keinesfalls künftige Verstöße von Microsoft gegen das Wettbewerbsrecht und werde dem betroffenen Technologie-Märkten großen Schaden zufügen.

Verlierer Apple

Nach Ansicht von Marktbeobachtern könnte einer der Verlierer des ins Auge gefassten Microsoft-Vergleichs Apple Computer sein. Der kalifornische PC-Hersteller, der Rechner mit dem hauseigenen Betriebssystem Macintosh OS ausliefert, ist neben dem texanischen Hersteller Dell der führende Ausstatter für Schul-Computer. Ein massive Microsoft-Spende werde den Anteil der Windows-Rechner an den US-Schulen in die Höhe treiben und andere Plattformen möglicherweise verdrängen.

Verzicht auf Anhörung

Kartellrechtsstreit mit der EU-Kommission will Microsoft unterdessen auf die geplante Anhörung aller beteiligten Parteien verzichten. Das Unternehmen setze auf den Dialog mit der EU-Kommission und strebe eine Verhandlungslösung an, teilte ein Microsoft-Sprecher am Dienstag in Redmond im im US-Staat Washington mit. In dem Kartellrechtsstreit sollte am 20. und 21. Dezember in Brüssel eine Anhörung von Microsoft, seiner europäischen Konkurrenzunternehmen und der EU-Kommission stattfinden. Mitte Oktober hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti Microsoft wegen seines neuen Betriebssystems Windows XP mit einem hohen Bußgeld gedroht. (APA)

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