Österreich bleibt von Konjunkturzyklen verschont

27. November 2001, 15:30
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Boston Consulting Group sieht "weniger starke Ausschläge" im internationalen Vergleich

Wien - Wirtschaftliche Auf- oder Abschwünge erfassen Österreich im internationalen Vergleich nur in abgeschwächter Form und zeitlich verzögert. "Österreich verhält sich wie der Rest der Welt, aber mit weniger starken Ausschlägen und einiger Verspätung", wie Experten der Boston Consulting Group (BCG) festgestellt haben. So habe Österreich beim Wirtschaftswachstum in den Jahren 1980 bis 2000 verglichen mit Deutschland, der Schweiz oder den USA die geringsten Schwankungen gehabt. In dieser Hinsicht sei Österreich ein "Stabilitätsland".

In den USA etwa habe die derzeit spürbare Konjunkturabschwächung schon im zweiten Vierteljahr 2002 eingesetzt, inzwischen nähere sie sich der Tahlsohle. Für Österreich gelte diese Entwicklung mit einer Zeitverschiebung von rund drei Quartalen, sagte BCG-Geschäftsführer Stephan Dertnig am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Maßnahmen zur Krisenbewältigung

Diese Zeitspanne, so Dertnig weiter, müssten österreichische Unternehmen gezielt nutzen, um konkrete und kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu setzen. Zumal in jeder Krise auch eine Chance liege. "Je nach Krisenanfälligkeit der Branche und der relativen Stärke des Unternehmens innerhalb dieser Branche bieten sich den jeweiligen Unternehmen erprobte Ansätze, die entweder der Sanierung, der Stabilisierung, dem Expandieren oder dem Ausschöpfen von strategischen Chancen dienen", merkte BCG-Manager Uwe Reinert dazu an. "Wer seine eigenen Schwächen und die seiner Branche kennt, kann durch die Krise durchaus gewinnen."

Chancen ausschöpfen könnten etwa jene Unternehmen, die in einer stark betroffenen Branche bereits sehr gut aufgestellt seien, sagte Reinert. Diese Unternehmen müssten mit überraschenden Strategien in den Markt gehen und durch Investitionen in die Marke, antizyklische Werbung sowie durch Zusammenschlüsse und Akquisitionen ihre Position ausbauen.

"Gunst der Stunde nutzen"

Expandieren könnten Firmen, deren relative Stärke am Markt hoch sei und die einer Branche angehörten, die vom Wirtschaftsabschwung nicht betroffen sei. Hier empfiehlt Reinert, "die Gunst der Stunde zu nutzen" und die niedrigen Zinsen für zusätzliche Expansion zu nutzen. Gleichzeitig sollte auch in neue Technologien investiert werden, um den Abstand zu den Wettbewerbern weiter zu vergrößern. Daneben gelte es auch, Allianzen zu schmieden.

Jene Unternehmen, die gegen eine Krise nicht gut gerüstet seien und deren Gesamtbranchenrisiko hoch sei, müssten laut Reinert "klare Sanierungsmaßnahmen" setzen: "Nachhaltige Sanierung geht aber weit über reines 'Cost Cutting' hinaus." Personalabbau, Gehaltskürzungen, aber auch die Senkung anderer Fixkostenblöcke würden nicht immer zur Sicherung der Nachhaltigkeit beitragen. Hier müssten oft zusätzlich zum Beispiel massive Umstrukturierungen in neue Geschäftsfelder oder eine Reorganisation der Wertschöpfungskette erfolgen.(APA)

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