Versicherungen richten Augenmerk auf Klimaveränderung

27. November 2001, 14:12
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"GeoRisikoForschung": "Beachtenswertes Interesse und Engagement" für den Umweltschutz

Innsbruck - Da die Versicherer weltweit eine "dramatische" Zunahme von Naturkatastrophen verzeichnen, seien "konsequente Maßnahmen" notwendig, um zumindest eine Trendabschwächung zu erreichen. Dies betonte Gerhard Berz von der "GeoRisikoForschung" der Münchner Rückvericherungs-Gesellschaft am Dienstag bei einem Expertensymposium in Innsbruck. Eine Trendumkehr könne nicht mehr erreicht werden.

Die Versicherbarkeit der Katastrophenrisiken dürfte jedoch auf "lange Sicht" gesichert scheinen. Die steigenden "Schadentrends" würden sich aber vermutlich auf die künftige Preisgestaltung auswirken, prognostizierte Berz eine Zunahme der Rückversicherungskosten. In den vergangenen 40 Jahren sei ein Anstieg der Naturkatastrophen um das Dreifache zu verzeichnen gewesen. Grund dafür sei unter anderem eine "gestiegene Katastrophenanfälligkeit der hoch entwickelten Industriegesellschaften". Umwelt- und Klimaveränderungen würden auch eine immer größere Rolle spielen.

Daher gebe es inzwischen ein "beachtenswertes Interesse und Engagement" der Versicherungswirtschaft für den Umweltschutz. So würden von der geowissenschaftlichen Forschungsgruppe im Schnitt jährlich 600 bis 900 Naturkatastrophen - das entspricht vier bis fünf pro Tag - erfasst, führte Berz aus. Das bedeute, dass hier "intensiver als in jeder anderen Institution" Katastrophen erfasst würden.

Eine Versicherung speziell gegen Überschwemmung, Rutschungen oder Lawinen sei auf Grund der hohen "Antiselektionstendenzen" oft schwierig zu erhalten. Nur diejenigen würden eine Versicherung abschließen wollen, die "unmittelbar" gefährdet sind, wies Wolfgang Kron von der GeoRisikoForschung" hin.

Gerade im Gebirge könne eine Klimaveränderung die Gefahrensituation "deutlich" verschärfen. Eine Erwärmung habe "extremere" Wetterereignisse zur Folge. Das bedeute eine Zunahme der Niederschlagsintensitäten- und höhen. Gleichzeitig würden die steigenden Schneefallgrenzen und die sich zurückziehenden Gletscher dazu führen, dass bei "Starkregenereignissen" das Wasser in einem zu geringen Maß "gepuffert" werde, bevor es zum Abfluss kommt. Dadurch würden die Abflusswellen steiler und höher. Eine stärkere Erosion sei durch den zurückgehenden Permafrost bedingt.

Technische und andere Schutzmaßnahmen seien nur bis zu einem gewissen Grad wirksam und könnten "nie eine hundertprozentige Sicherheit bieten", betonte Kron. Den Menschen würde dadurch oft "ein falsches Gefühl der Sicherheit" vermittelt werden. Entscheidend für eine "wirksame" Vorsorge gegen die Folgen von Naturereignissen sei daher "die Kenntnis und das Bewusstsein über die lokal vorliegende Bedrohung". (APA)

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