Russische Forscher befürworten therapeutisches Klonen

27. November 2001, 14:05
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US-Erfolge bestärken auch umstrittene Reproduktionsmediziner

Moskau/Washington - Russische Forscher haben nach dem erstmaligen Klonen eines menschlichen Embryos in den USA die Anwendung der Technik zu medizinischen Zwecken befürwortet. "Es handelt sich dabei um therapeutisches Klonen mit ehrenwerten Zielen", sagte der Leiter des molekulargenetischen Instituts, Eugeni Swerdlow, der Tageszeitung "Rossijskaja Gaseta" vom Dienstag.

Der Transplantationsmediziner Waleri Schumakow bezeichnete die Technik der Stammzellengewinnung als "Medizin der Zukunft". Was die Fortpflanzung angehe, solle man sich allerdings besser auf die natürliche Methode verlassen, sagte Swerdlow. Diese verspreche "mehr Sicherheit, ein normales Wesen zu erhalten", betonte der Genetiker.

Umstrittene Reproduktionsmediziner sehen sich durch den ersten Klon-Fall in ihrem Vorhaben bestärkt, Embryonen auch zu Fortpflanzungszwecken zu klonen. Die US-Firma Advanced Cell Technology (ATC) habe ihm mit ihrer Arbeit "den Weg frei" gemacht für die künstliche Vervielfältigung von Menschen, sagte der US-Wissenschaftler Panayiotis Zavos am Montag in Washington. Das Klonen von Menschen sei ohnehin nur noch eine Frage der Zeit gewesen.

Kinderwunsch

Der italienische Frauenarzt Severino Antinori, der gemeinsam mit Zavos unfruchtbaren Frauen per Klontechnik ihren Kinderwunsch erfüllen will, sagte in Rom, er sehe sich als "Vater dieses Erfolges". ATC hatte am Sonntag das erstmalige Klonen eines menschlichen Embryos verkündet und war damit international auf Kritik gestoßen.

Während ATC nach eigenen Angaben Embryonen zu Forschungszwecken klont, wollen Antinori und Zavos mit dieser Technik auch Kinder zur Welt bringen. Im August hatte Antinori in den USA seine Pläne zum Klonen menschlicher Embryonen vorgestellt. Er hatte bereits mehrfach angekündigt, auf diese Weise menschliches Leben zu vervielfältigen.

1994 sorgte er für Schlagzeilen, als er in seiner römischen Reproduktionsklinik einer 62 Jahre alten Frau zu einem Baby verhalf. Sein US-Kollege Zavos hatte kürzlich das baldige Klonen von Menschen in Aussicht gestellt. Die Pläne sind ethisch und wissenschaftlich hoch umstritten; die Erfolgsaussichten sind unklar. Der US-Senat berät derzeit über ein Gesetz, das das menschliche Klonen sowohl zu Fortpflanzungs- wie auch zu Forschungszwecken unter Strafe stellt. (APA)

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