Mesic: Kroatien darf keine Bedingungen an Serbien stellen

27. November 2001, 13:11
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Vizeministerpräsident Perisic dürfe kein Hindernis für Kooperation sein

Zagreb - Kroatien müsse zwar sagen, welche Hindernisse es für die Zusammenarbeit mit Serbien gebe, dürfte aber gleichzeitig keinen Druck auf Belgrad ausüben und die Kooperation an Bedingungen knüpfen. Das erklärte der kroatische Präsident Stjepan Mesic am Montagabend in einem Interview gegenüber dem kroatischen Radio. Die Tatsache, dass der in Kroatien wegen Kriegsverbrechen zu 20 Jahren verurteilte Momcilo Perisic als Vizeministerpräsident in der serbischen Regierung tätig sei, dürfe kein Hindernis für die Zusammenarbeit der beiden Länder sein, sagte Mesic.

Sehr wohl müsse man betonen, dass Perisic "kein Magnet sein kann, der die Zusammenarbeit zwischen Kroatien und Serbien anzieht", fügte Mesic hinzu. Aber es gebe auch eine ganze Reihe von Gründen für die Fortsetzung der Zusammenarbeit, führte Mesic weiter aus. Auch müsse Kroatien größeren internationalen Druck auf Jugoslawien ausüben, alle vom UNO-Kriegsverbrechertribunal angeklagten Personen nach Den Haag auszuliefern. Mit dieser Stellungnahme reagierte der Präsident auch auf die Aussage des kroatischen Außenministers Tonino Picula, der vor einigen Tagen Perisic als "ernstes Hindernis" für eine engere Kooperation zwischen Zagreb und Belgrad bezeichnete.

Mesic nach auch zu den Diskussionen über mutmaßliche Kriegsverbrecher in Kroatien Stellung. Dem Druck, einige in Haft befindliche mutmaßliche Kriegsverbrecher, wie General Mirko Norac, freizulassen, damit sich diese in Freiheit verteidigen könnten, werde er nicht nachgeben. Weder könne noch dürfe und wolle er das tun, weil er sich auch persönlich für die Unabhängigkeit der Justiz von den politischen Einflüssen einsetze, betonte der Präsident. Mesic verurteilte auch die kürzliche Entscheidung des Stadtradts von Zadar, den als Kriegsverbrecher angeklagten Ante Gotovina als Ehrenbürger zu ernennen. Auch gebe es Aufrufe, Gotovina sogar mit Waffen zu verteidigen und "das darf es in einem Rechtsstaat nicht geben", betonte Mesic.

Dass sich Gotovina noch immer verstecke und die Auslieferung an das Haager Tribunal verweigere bewerte Mesic als "nicht gut für das Land". "Ich bin überzeugt, dass es für Gotovina am besten wäre, nach Haag zu gehen, weil er damit zeigen wird, dass er in der Lage ist und wünscht, die eigene und die Ehre der kroatischen Armee zu verteidigen. Und er wird auch zeigen, dass er mutig ist, weil mich keiner überzeugen kann, dass jemand durch Flucht seinen Mut zeigt", so Mesic. (APA)

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