"Die Macht der Nachricht"

28. November 2001, 10:21
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Die österreichische Geschichte der Nachrichtenagenturen

Eine umfassende Aufarbeitung der Geschichter der österreichischen Nachrichtenagenturen liegt nun in Buchform vor. In dem soeben im Molden Verlag erschienenen Band "Die Macht der Nachricht" beschreiben die Kommunikationshistoriker Edith Dörfler und Wolfgang Pensold die Entwicklung des heimischen Nachrichtenwesens zugleich als langen Weg zur Unabhängigkeit von Staat und Regierung.

Wesentliche Zäsur war dabei die Gründung der APA-Austria Presse Agentur im Jahr 1946 als Genossenschaft. Der 55. "Geburtstag" und die Neuerscheinung sind daher am Donnerstagabend (29. November) für die APA Anlass zum Feiern in der Wiener Börse - dem ersten Domizil der Agentur.

Über 150 Jahre lang ist die Tradition der heimischen Nachrichtenagenturen, doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte eine Emanzipation von staatlichen Einfluss erreicht werden. Schon die erste Agentur, die Österreichische Correspondenz, wurde im Jahr 1849 zwar als Privatunternehmen, zugleich aber als dezidiert gegenrevolutionäres Instrument und Sprachrohr für die Obrigkeit gegründet.

Nur etwas mehr als zehn Jahre danach wurde das Unternehmen in staatliche Hände gelegt, das k.k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau übernahm die Agenden. 1922 wurde die Agentur in Amtliche Nachrichtenstelle (ANA) umbenannt und 1938 vom nationalsozialistischen Deutschen Nachrichten Büro (DNB) abgelöst. Nach Kriegsende sorgte bis zur Gründung der APA im Jahr 1946 sorgte die ANA weiter für "amtliche Nachrichten".

Dass mit der APA eine "entstaatlichte" Nachrichtenagentur das Licht der Welt erblickte, kam somit einem Traditionsbruch gleich. Dies lag nicht zuletzt im Interesse der Alliierten, die auch in den besiegten Ländern - Deutschland, Italien und Japan - eine Privatisierung nach dem Genossenschaftsprinzip durchführten. Paten waren dabei die angelsächsischen Weltagenturen AP und Reuters und ein von ihnen in den 40er Jahren beschlossenes Grundsatzprogramm, das unter anderem die Prinzipien der "true and unbiased news" verankerte.

Bis in die 70er Jahre hinein allerdings brauchte die APA trotz der in den Statuten verankerten Unabhängigkeit, um sich von parteipolitischer Einflussnahme zu emanzipieren. Zugleich galt es auch, die ökonomische Unabhängigkeit zu sichern. Seit 1988 schreibt die Austria Presse Agentur Gewinne, im Jahr 2000 erzielte sie das beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte.

Mehr als eine historische Aufarbeitung

"Die Macht der Nachricht" bietet weit mehr als eine historische Aufarbeitung der APA und ihrer Vorgänger-Organisationen. Dörfler und Pensold illustrieren zugleich, wie sich Nachrichtenaufbereitung und damit Informationspolitik stets im Spannungsfeld von Technik - Stichwort Telegrafie - und Machtpolitik bewegen musste. In diesem Sinn steuert ihr Buch denn auch eine weitere wesentliche Perspektive zur österreichischen Kommunikationspolitik bei.(APA)

Edith Dörfler/Wolfgang Pensold: Die Macht der Nachricht. Die Geschichte der Nachrichtenagenturen in Österreich. Molden, Wien 2001. 593 Seiten, 498 S, (36,19 EURO)

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