Mittelklasse-Pkw im Crash-Test - Bei Seitenaufprall gute Ergebnisse

27. November 2001, 12:02
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Experten kritisieren: Mängel bei Fußgänger- und Kindersicherheit

Wien - Acht Mittelklassewagen wurden von Profis zerstört. Die Ergebnisse der Crash-Tests präsentierten der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und der ÖAMTC heute, Dienstag, in Wien. Der Trend zu mehr passiver Sicherheit setze sich fort, hieß es. Um Kindersicherheit und Fußgängerschutz sei es aber schlecht bestellt. Getestet wurden Citroen C5, Volvo S 60, Ford Mondeo, Skoda Oktavia, Opel Vectra, Hyundai Elantra, Peugeot 406 und BMW 3.

Die Experten kritisierten, dass es wenig Fortschritte beim Fußgängerschutz gebe. VKI-Chef Hannes Spitalsky plädierte für gesetzliche Verpflichtungen. "Immerhin ist jeder Autofahrer auch als Fußgänger unterwegs."

Defizit Kindersicherheit

Auch beim Thema Kindersicherheit gebe es nach wie vor Defizite. Seit mehr als zehn Jahren hätten sich Automobil- und Kindersitzhersteller nicht auf einen technisch vernünftigen Industrie-Standard einigen oder ihre Entwicklungen aufeinander abstimmen können. Man sehe, "wie stiefmütterlich das Thema 'Kindersicherheit' behandelt wird", kritisiert Karl Obermair, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Im insgesamt bereits 19 Kanditaten großen Feld gab es vier Sterne und Platz vier für Citroen, Platz sieben für Volvo, Platz acht für Ford und jeweils Platz zwölf für BMW und Skoda. Bescheidene drei Sterne erreichten Opel , Hyundai und Peugeot, was die Plätze 14, 17 und 19 bedeutete.

Diskrepanz

Bei der EuroNCAP-Norm (European New Car Assessment Programme) werden die Wagen im Front- und Seitencrash getestet, ein eigenes Kriterium ist die Kindersicherheit. Beim Frontalaufprall wird das Auto mit 64 km/h und einer Überdeckung von 40 Prozent an der Fahrerseite gegen eine deformierbare Barriere gekracht. Um einen praxisnahen Seitenaufprall zu simulieren, wird ein Crashschlitten mit 50 km/h gegen die Fahrerseite gefahren.

Auffallend bei den Tests sei eine beachtliche Diskrepanz zwischen den Ergebnissen im Front- und Seitenanprall gewesen, berichtete Max Lang, ÖAMTC-Cheftechniker. "Während die meisten Mittelklasse-Pkw im Seitencrash immer besser werden, schneiden sie im Frontalcrash vergleichweise schlecht ab." Als Beispiel nannte der Experte Peugeot und Hyundai.

Punkteabzüge

VKI und ÖAMTC fordern daher eine andere Gewichtung der Ergebnisse. Lang: "Schließlich ist jede Kette so stark wie ihr schwächstes Glied." Versagt ein Pkw in einer der beiden Crash-Situationen, so soll es in Zukunft Punkteabzüge in der Gesamtbewertung geben.

Von den aktuell geprüften Wagen wurden in Sachen Kindersicherheit nur Volvo und Ford lobend hervorgehoben. Die beiden Kinder-Dummies (entsprechend einem 18 Monate und einem drei Jahre alten Kind) wurden vom Rückhaltesystem gut geschützt. "Erst wenn ein Fahrzeug auf Grund schlechter Ergebnisse bei der Kindersicherheit im Gesamtergebnis weniger Sterne bekommt, wird es nicht mehr möglich sein, den Schutz von Kindern bei der Fahrzeug-Konstruktion zu ignorieren." ist Paul Srna, Projektleiter beim VKI, überzeugt.

"Noch immer misst die Autoindustrie dem Fußgängerschutz zu wenig Bedeutung bei", kritisierte Spitalsky. VKI und ÖAMTC plädierten für gesetzliche Regelungen zum Fußgängerschutz und Einbau der Fußgängersicherheit in die Gesamtbewertung der Crash-Tests. (APA)

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