Russischer Hacker muss bis Mitte 2002 auf Prozess in den USA warten

27. November 2001, 10:56
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Hat Kopierschutz von digitalen Büchern ("E-Books") geknackt

Ein russischer Computer-Programmierer, der im Juli auf einer Hacker-Tagung in Las Vegas von der amerikanischen Bundespolizei verhaftet wurde, kann erst Mitte nächsten Jahres mit dem Prozessbeginn rechnen. Der 26 Jahre alte Dmitry Sklyarov wurde auf der Grundlage eines international umstrittenen US-Gesetzes zum Schutz des Urheberrechts festgehalten, weil er den Kopierschutz von digitalen Büchern ("E-Books") geknackt hatte.

Prozess-Beginn nicht vor Juni

Ein kalifornischer Bundesrichter legte am Montag (Ortszeit) eine weitere Anhörung in dem Verfahren gegen Sklyarov für den 15. April festgelegt. Nach US-Medienberichten werde der Prozess-Beginn nicht vor Juni erwartet. Es werde mehr Zeit benötigt, um wichtige Dokumente aus dem Russischen ins Englische zu übersetzen.

Sicherheitskopien

Auf der Hacker-Messe Defcon in Las Vegas hatte der Mitarbeiter der russischen Softwarefirma "ElcomSoft CO." ein Programm vorgestellt, mit dem die Anwender E-Books kopieren können. Die von Sklyarov entwickelte Software umgeht einen Schutz-Code gegen Raubkopien, den der amerikanische Hersteller Adobe in seinem E-Book-Reader eingebaut hat. In Russland ist die Anwendung der Software legal. In den USA verstößt sie jedoch gegen den "Digital Millenium Copyright Act", ein Gesetz, das die Entwicklung und Verbreitung von Technologien, die das Urheberrecht verletzen können, kontrolliert.

Exempel

Sklyarov ist der erste Mensch, der wegen Verletzung des drei Jahre alten, umstrittenen Gesetzes festgenommen wurde. Bei einer Verurteilung drohen dem Programmierer bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Dollar (568.505 Euro/7,82 Millionen Schilling). Die Festnahme des Computerspezialisten hatte international Proteste ausgelöst.

Freie Meinungsäußerung?

Die Kämpfer für seine Freilassung berufen sich unter anderem auf das verfassungsrechtlich geschützte Recht auf freie Meinungsäußerung. Dies umfasst ihrer Ansicht nach auch Computerprogramme. Gegen eine Kaution in Höhe von 50.000 Dollar (57.000 Euro) kam Sklyarov im August vorübergehend frei. (APA)

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