Von Trischaken und Staudenhockern

27. November 2001, 10:54
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"Das große Tarock-Buch" durchleuchtet das königliche Spiel und macht Lust auf eine Kartenrunde

Wien - Wer immer schon wissen wollte, warum man mit dem Trischaken einem so genannten Staudenhocker in die sprichwörtliche Suppe spuckt, und sich auch sonst für das Tarockieren begeistern kann, der wird mit diesem Buch seine wahre Freude haben: APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr und der Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV), Robert Sedlaczek, haben gestern, Montag, Abend in Wien "Das große Tarock-Buch" vorgestellt - ein im deutschsprachigen Raum in dieser Fülle bisher einzigartiges Werk.

In dem in der Perlen-Reihe erschienenen Buch findet man nicht nur die Erklärung der Begriffe "Trischaken" und "Staudenhocker", sondern etwa auch eine umfassende Kulturgeschichte des Tarock. Besonders verdient gemacht haben sich auf diesem Sektor die Briten Sir Michael Dummett und John McLeod, der auch bei der Präsentation im Tabakmuseum zugegen war. Dummett hat ein 600 Seiten starkes Buch mit dem Titel "The Game of Tarot" herausgegeben, während John McLeod mit seiner Internet-Homepage (www.pagat.com) zu einer Kultfigur der Kartenspieler in aller Welt geworden ist.

Geschichte der Spielkarten

Neben den beiden Briten zapften Mayr und Sedlaczek eine Fülle weiterer Quellen an. Nicht wenige davon haben sie in den nun schon zahlreichen Jahren ihrer eigenen Leidenschaft für das Tarockieren selbst gesammelt. Der Leser findet ebenso eine umfassende Geschichte über die Entwicklung der Spielkarten - das unerschöpfliche Archiv des führenden Tarockkarten-Sammlers Klaus Reisinger leistete wertvolle Dienste -, eine Erklärung der Abbildungen auf den heute gebräuchlichen österreichischen Standard-Tarockkarten der Wiener Spielkartenfabrik Ferdinand Piatnik & Söhne und vieles mehr.

Bei einem Spiel wie Tarock ist auch die Literaturgeschichte unentbehrlich: Angefangen bei Friedrich Schillers "Die Verschwörung des Fiesco von Genua" und Johann Wolfgang von Goethe über Jean Paul, Theodor Fontane, Clemens Brentano, Johann Nepomuk Nestroy, Peter Rosegger, Karl Kraus bis zu Ödön von Horvath, Robert Musil, Peter Handke und H.C. Artmann ist das Buch eine wahre Fundgrube für Lese- und historisch interessierte Tarockfreunde. Friedrich Torbergs Tante Jolesch und ihre Figuren dürfen beim Thema Tarock natürlich nicht fehlen - zu viele Anekdoten, ja selbst Spielvarianten und Begriffe sind Leo Perutz, Franz Elbogen, Hugo Sperber und anderen legendären Protagonisten des Kartenspiels im Kaffeehaus zu verdanken.

Kein verbindliches Regelwerk

"Das große Tarock-Buch" ist aber weit mehr als nur ein kulturhistorischer Abriss des königlichen Spiels. Im rund 140 Seiten starken Kapitel "Die Tarockspiele" erfährt der Leser, dass es mitnichten nur um die Frage "Zwanziger-" oder "Königrufen" geht. Vom Piemonteser und Bologneser Tarock über das Französische, Schweizer und Badische Tarock , über Tappen, Point-Tarock, Königsrufen, Slowenisches Tarock, Neunzehnerrufen in allen Varianten, Zwanzigerrufen bis zum Strohmandeln behandeln die Autoren praktisch jede bekannte Variante inklusive ihrer Nebenregeln. Im Tarock gibt es nämlich kein verbindliches Regelwerk, die Spielansagen ändern sich von Kartenrunde zu Kartenrunde.

Im Teil über die verschiedenen Tarockspiele ist auch ein "Knigge" des Tarock enthalten. Vom vielen Sprechen ist da die Rede, aber auch vom kraftvollen auf den Tisch Schlagen nicht mehr stechbarer Karten, das außerordentlich verpönt ist.

Schließlich informieren die seit langem befreundeten Mayr und Sedlaczek im Kapitel über die Tarockspiele auch, dass das Trischaken - also jenes Spiel, das der gewinnt, der die wenigsten Punkte aufweist - schlecht für Staudenhocker ist: Für jene Spieler, die auch mit sicheren Blättern nichts ansagen. Denn eine der Grundregeln lautet: Ein guter Tarockierer sollte mit beinahe jeder Karte etwas anfangen können. Aber auch die weniger guten "Tarockanten" werden Lust auf eine Partie bekommen ... (APA)

Wolfgang Mayr/Robert Sedlaczek: "Das große Tarock-Buch". Wien 2001, Perlen-Reihe im Verlag Deuticke, 312 Seiten, 399 Schilling/29 Euro, ISBN 3-85223-462-X; handgebundene Lederausgabe in limitierter Auflage 1.362 S/99 Euro, ISBN 3-85223-464-6; Informationen über Tarock und das Buch im Internet: www.tarockspiele.com)

www.pagat.com
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