Christine Vranitzky überbringt 18 Tonnen Decken für Afghanistan

27. November 2001, 07:05
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Weitere 100.000 Stück warten noch auf den Transport

Islamabad - Es ist Sonntag 00.00 Uhr und Christine Vranitzky, die Frau von Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, geht durch die Reihen eines Airbus A340-200 der Austrian Airlines am Wiener Flughafen Schwechat. 300 Sitze sind mit Decken vollgepackt, zudem die Stauräume über den Sitzen und der gesamte Frachtraum. 18 Tonnen "Decken für Afghanistan", die in den vergangenen Wochen auf Initiative von Frau Vranitzky für die Flüchtlingshilfe gesammelt wurden, warten auf den Start. "Ist das nicht toll?" kommentiert sie den Anblick.

In Begleitung von Vranitzky, Brigadier Christian Segur-Cabanac vom österreichischen Bundesheer und zahlreichen Helfern der AUA waren die Sachspenden in der Nacht von Sonntag auf gestern, Montag, unterwegs nach Islamabad in Pakistan. "Dass ich hier mitfliege, ist meine gute Tat für Weihnachten", meinte eine Stewardess. "Vielleicht wachsen mir Flügel, wenn wir wieder zurück kommen." Von Islamabad aus soll unter Geleitschutz des pakistanischen Militärs in Kooperation mit dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und dem pakistanischen Transportministerium die lebenswichtige Fracht zu den zehn bis elf Flüchtlingscamps hinter der afghanischen Grenze gebracht werden.

Weitere 100.000 Decken warten auf Transport

"Nie hätte ich gedacht, dass wir so viele Decken sammeln würden", sagte Vranitzky. Dabei transportiere dieser Flug nur ein Fünftel der Decken (20.000 Stück, Anm.). In einem Lager in Wiener Neustadt warten weitere 100.000 auf den Transport. "Diesen Flug, der ungefähr 1,2 Millionen Schilling kostete, hat u.a. die AUA gesponsort. Das geht für die restlichen Decken natürlich nicht mehr", so Vranitzky. Sie stehe mit dem UNHCR in Verhandlungen, um ein Transportflugzeug und weitere Sponsoren organisieren zu können.

"Niemand hat geglaubt, dass ich diese Aktion wirklich durchziehe, nicht einmal mein Mann", so Vranitzky. Die Idee sei ihr bei den schrecklichen Bildern von afghanischen Flüchtlingen im Fernsehen gekommen: "Da muss man doch etwas machen. Etwas, das schnell geht". Zunächst wurde bei Caritas und Rotem Kreuz angefragt. Diese hätten jedoch eine Geldsammelaktion angeraten. "Und genau das habe ich satt", so die karitativ engagierte Frau. Sie findet Sachspenden effektiver.

Anfragen bei Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) und Innenminister Ernst Strasser (V) brachte die Sache ins Rollen. "Die Idee wurde von der österreichischen Bevölkerung sehr positiv aufgenommen und die Medien haben ganz toll mitgespielt", sagte Vranitzky.

Viele Flüchtlinge drohen zu erfrieren

Gesammelt wurden die "Decken für Afghanistan" in Dienststellen der Exekutive in den österreichischen Bundesländern. Verpackt und für den Transport fertig gemacht wurden sie vom Bundesheer. "Wir mussten viele Decken aussortieren, da sie nicht verwendbar waren. Der Schwund betrug rund zehn bis 20 Prozent", erklärte Brigadier Christian Segur-Cabanac. Auch konnten beispielweise Daunendecken nicht verwendet werden, da man befürchtete, dass Propagandamaterial in ihnen mitgeschickt werden könnte.

Christine Vranitzky wollte die Decken jedoch nicht nur einfach übergeben, sondern auch an Ort und Stelle klären, wohin sie kommen. "Die Deutschen haben massenweise Kleidung nach Islamabad geschickt, aber die Kleider lagern noch immer am Flughafen und gelangen nicht dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden."

"Logistische Fingerübung"

"Es ist ja bekannt, dass die Österreicher Weltmeister im Spenden sind, aber dass so viel zusammen gekommen ist, ist sehr erfreulich", so Segur-Cabanac. Trotz des überraschend großen Umfangs sei die Organisation für das Bundesheer eine "logistische Fingerübung" gewesen. "Nachdem die Minister Scheibner und Strasser ihr OK gegeben hatten, war für uns klar, alles dafür zu tun, damit dieses Projekt nicht zum Scheitern verurteilt ist".

Die Decken würden jetzt in jene Flüchtlingslager gebracht, wo sie am dringendsten gebraucht werden, versprach der pakistanische Transport- und Kommunikationsminister Javed Ashraf bei einer Pressekonferenz in Islamabad. Nach offiziellen Angaben gibt es wegen der Kriegshandlungen nun rund 60.000 neue afghanische Flüchtlinge in Pakistan. "Doch in Wirklichkeit kommen sie illegal über die Berge, und das sind etwa 400.000 bis 500.000 Menschen", erzählte Ashraf. Er sei den Österreichern sehr dankbar, dass sie etwas für jene Menschen tun, die ihre Heimat verlassen mussten. "Der Winter ist gekommen und viele drohen durch die enorme Kälte zu sterben", so der Minister.

Der jahrzehntelange Krieg habe Afghanistan und seine Gesellschaft zerstört, sagte Ashraf. Auch Pakistan sei durch diesen Zustand sehr betroffen. So verliere sein Land beim Export Millionen Dollar pro Jahr, erläuterte der Politiker. Auch den Tourismus gebe es praktisch nicht. "Jeder da draußen glaubt, dass der Aufenthalt in unserem Land gefährlich ist und die Zustände katastrophal sind", so Ashraf.

Für Christine Vranitzky kehrt nach "Decken für Afghanistan" für einige Zeit wieder Ruhe ein. "Mein Mann hatte wegen der Reise schon ein bisserl Angst um mich. Er meinte, dass ich mit meinen guten Ideen wieder aufhören sollte." (APA)

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