"Der Mann ist vom Aussterben bedroht"

26. November 2001, 21:16
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"Der Mann ist vom Aussterben bedroht": Mit diesem Ausspruch von Siegfried Meryn, dem "prominenten Fernseharzt" und, ja!, "Männerspezialisten" wurde am Sonntag vom ORF die jüngste Ausgabe von Betrifft beworben. Ich habe dann schnell ein paar Freunde angerufen, und die lebten gottlob noch, andererseits: Wenn das Aussterben des Mannes so aufregend abläuft wie der von Claudia Reiter moderierte Betrifft-Talk, dann darf man prophezeien: Weniger spektakulär ist noch keine Gattung abgetreten.

Ich dachte an mein Lieblingstier im Schönbrunner Tierpark - den nordamerikanischen Baumstachler: Dieses extrem charmante Wesen, eine Mischung aus Faultier und auch Stachelschwein, starb angeblich, nachdem er wegen Umbauarbeiten in ein anderes Gehege verlegt wurde. Weil ein Baumstachler kein Eisbärenbaby ist und kein kleiner Elefant, nahm niemand Notiz von ihm. Auf einmal war er nicht mehr da - und es gab nicht einmal einen Herr Doktor Meryn, der ihm als "prominenter Fernseharzt" und "Baumstachlerspezialist", möglicherweise sogar mit einem "Welt-Baumstachler-Preis" geholfen hätte.

Und jetzt also Männer - das schwache Geschlecht. Eine Zeitlang disputierte man wieder einmal über Viagra, das die männliche Sexualität angeblich revolutioniert hat. Und am Ende äußerte sich der Scheidungsanwalt Doktor Adolf Krieger darüber, dass er dankbar sei, von seinen Eltern mitunter eine gesunde Tachtel kassiert zu haben. Warum? Keine Ahnung. Da war auch schon das Publikum ausgestorben. (cp) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27.11.2001

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