USA erwarten harten und blutigen Kampf um Kandahar

26. November 2001, 21:10
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Pakistan verschärft Grenzkontrollen zu Afghanistan - Powell bereist Europa

Washington - Die USA erwarten einen harten und blutigen Kampf um die letzte noch verbliebene Taliban-Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans. Das machten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Generalstabschef Richard Myers am Montag in Washington klar. Rumsfeld erklärte, Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar sei nach seiner Einschätzung kein Mann, der aufgeben werde, sondern entschlossen sei, bis zum Tod zu kämpfen.

Myers sagte ebenfalls, wenn es nach Omar gehe, dann "werden sie sich (in Kandahar) eingraben und kämpfen, kämpfen vielleicht bis zum Ende. Das ist die Situation, wie sie sich uns zur Zeit stellt." Rumsfeld erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass der Kampf um die Stadt Kunduz im Norden lang und hart gewesen sei. "Viele Menschen sind getötet worden", sagte Rumsfeld.

Pakistan macht Greenze dicht

Der US-Verteidigungsminister bestätigte zugleich, dass "Hunderte" von US-Marineinfanteristen in der Region von Kandahar gelandet seien. Ziel sei der Aufbau eines vorgeschobenen Postens, von dem aus operiert werden könne, ohne dass ständig Spezialkommandos ein- und ausgeflogen werden müssten. Der neue Posten solle helfen, den Druck auf die Taliban zu erhöhen und sie sowie El Kaida-Terroristen an der Flucht zu hindern.

Offenbar in diesem Zusammenhang begann Pakistan damit, Teile seiner Grenze mit Afghanistan abzuriegeln. Aus Kreisen der Provinzregierung von Baluchistan verlautete, damit soll das Einsickern von radikalen Taliban-Kämpfern verhindert werden. Alle afghanischen Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren würden an der Grenze abgewiesen.

Anschlag gegen Gasnetz befürchtet

Als eine der Aufgaben der Marines beschrieb Rumsfeld die Sperrung von Straßen und das Abschneiden von Nachschub- und Fluchtwegen. Mehr Einzelheiten wollten der Minister nicht nennen. Von dem Vorposten aus könne es "verschiedene Operationen" geben, fügte er lediglich hinzu. Myers bekräftigte, der Kampf gegen den Terrorismus werde "nicht bald" vorbei sein.

US-Justizminister John Ashcroft berichtete unterdessen, dass es vor "vielleicht zehn Tagen oder zwei Wochen" eine Drohung "von unbestimmter Zuverlässigkeit" mit einem Terrorangriff gegen das Gasnetzwerk der USA gegeben habe. "Wir nehmen derartige Berichte sehr ernst", sagte der Justizminister.

Powell bereist Europa

US-Außenminister Colin Powell wird vom 3. bis 10. Dezember die rumänische Hauptstadt Bukarest, das NATO-Hauptquartier in Brüssel, die türkische Hauptstadt Ankara und Moskau besuchen. In Bukarest wird er an einem Treffen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilnehmen. In Brüssel sind eine Reihe von Treffen mit Verbündeten, Vertretern Russlands sowie der Ukraine und die Teilnahme an einem Ministertreffen von NATO und EU geplant. In Ankara und Moskau sollen der gemeinsame Anti-Terror-Kampf und der Wiederaufbau Afghanistans im Mittelpunkt der Gespräche stehen.(APA/dpa/Reuters)

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