Wolfgang Drexler, der Wizard von Wien

26. November 2001, 20:12
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Wolfgang Drexler hat viel zu sagen, viel zu tun. Immer schon. Mit flinken Fingern zerlegte er als Kind jedes Stück Technik, lernte Klavier, Gitarre, Schlagzeug. Mathematik und Physik fand er in der Schule spannend! Trotzdem wählte er den Sprachenzweig. "Zuerst HTL und dann TU, das hätte ich nicht ertragen! Mir ist lieber, ich betreibe mehrere Sachen 80-prozentig, als eine 120-prozentig."

Als Teen betrieb er Pop und Rock bis zur Plattenreife, parallel dazu Basketball. "Als ich merkte, dass man von Musik allein nicht leben kann, konzentrierte ich mich auf den Sport." Resultat: zwei Jahre in einem A-Ligateam.

"Als ich dann draufkam, dass man mit Basketball auch nicht seinen Lebensunterhalt verdienen kann, hab' ich Elektrotechnik studiert." Parallel dazu Paartanzen bis zum Goldabzeichen.

"Dann bin ich draufgekommen, dass ich vielleicht doch besser mein Studium fertigmache." Parallel dazu erste Forschungsarbeiten. "Ich bin dann von der Technik auf die Medizin gewechselt." An der Medizinischen Physik wurde Institutsleiter Adolf F. Fercher auf das Wizkid aufmerksam. Es kannte sich nämlich aus mit Programmieren, Software, Hardware, Elektronik, Physik und Lasern und profilierte sich als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis.

Dazu hatte sich Drexler auch in Medizin "ziemlich eingearbeitet". Dafür gab's dann eine Assistentenstelle und die Erlaubnis, zur Dissertation seinen ersten Optischen Kohärenztomographen zu bauen für patientenschonende Augenuntersuchungen von bis dahin ungekannter Präzision.

Im ersten Praktikum der parallelen Lehrtätigkeit fällt Drexlers Blick auf eine Studentin: "AUA-Stewardess. Wollte aber als zweites Standbein Medizin studieren." Bald waren die Ehe geschlossen und Zwillinge unterwegs.

Inzwischen ist der Nachwuchs dreiköpfig, die Mutter ausgelastet und der Vater fleißig beim Bauen von Tomographen. Zu diesem Zweck verbrachte er eineinhalb Jahre am Massachusetts Institute of Technology, holte sich einen START-Preis des Wissenschaftsfonds und beteiligt sich an internationalen Kooperationen. Die künftigen Tomographen sollen die Diagnose von Augenkrankheiten revolutionieren, danach hat Drexler die frühzeitige Krebsdiagnose im Visier.

Mit Begeisterung leitet der 35-Jährige am AKH ein achtköpfiges Team, das noch immer das Dissertationsgerät betreibt.

Wie er das alles schafft? "Dank meiner Familie", antwortet Drexler. "Sie unterstützt mich und sorgt für Abwechslung, ohne die ich mich extrem schnell verbrauchen würde." Basketball spielt Drexler übrigens nur mehr in der 1. Wiener Spielklasse. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 11. 2001)

Von STANDARD-Mitarbeiterin Johanna Geissler
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